Gerburg Garmann
Scham schwistert von Zunge zu Aug

Desavouiert

Scham schwistert  von Zunge zu Aug  von Wange zu Ohr zu Hand
Rotes Hissen Blühen Schweiss der Gerechten und Ungerechten unter der Iris der geröteten  wer unter der Sonne steht beschämt früher oder später die Schamlosigkeit der Schamlosen

 

Gerburg Garmann: Schamrot
Schamrot
Verschämt
Gerburg Garmann: Trotz alledem, Morgenmarsch
Trotz alledem, Morgenmarsch

 

Gerburg Garmann: Des Eiders Kreuzweg
Des Eiders Kreuzweg

Wer jauchzt ihm nach, dem großbebrillten Eider
mit dem Goldauge, sein Federkiel stand gestern
vor Gericht. Der außer Kraft getretenen Gesetze wegen.
Dem Gesetz der Serie zufolge.
Danach an der Reihe, die Vögel Messiaens.

Auf ihn gestürzt hatte der Allesfänger sich
zur kirschroten Sonnenscheide. Hatte den Atem ihm
beschwert und geleuchtet in die Rinnsale des Dunkel, ins
Grillenbett mit eiserner Strenge, den Seufzern
der verstimmten Erde zum Trotz.

Umtriebe im Unsäglichen: Verboten,
dem vorzeitig Entlassenen, dem Vogelfreien am
Dämmergestein. Nur nicht de revolutionibus. Oder das, was
man dafür hält. Dem Vergessen nur keinen Widerstand leisten.
Redlich ist der Scherge, derweil der Zeitriss abwärts verläuft.

Sobald die Dämme nicht mehr brechen,
und der Kessel nicht mehr unter Druck steht,
sobald die Stimmbänder versteinern, und
das Ruhekissen wieder gefüllt ist,
fällt alles wieder ins Lot.

Wenn dann noch der blanke Blick aufhört,
und der Siebenschläfer Deutschland das Singen
verbietet, wird das Vertraute endgültig fremd.
Sind Namen nicht mehr wichtig.
Nur noch das spärliche Sonnenstechen.
Nur noch die sauren Äpfel
und das Kirschkernspucken im Gleichtakt
mit dem immerwährenden Flugspiel
schwebend suchender Federn.

 

Gerburg Garmann: Landgang
Landgang

Ich wage meinen ersten Landgang
Suche mir karge Schindeln gegen schwierige Schwärmer
Dicht am historischen Körper glänzt das Meer ab

Bis ins Mark bin ich infiziert
Von zum Reden gebrachten Unterhaltungen
Sie verstocken mich gegen die Logik der Zeitpfeile,
ringen mich aus Lautgestöbern in ausgespiene Paradiese

Dort schleift sich auf opulenten Tafeln
die Geschichte meiner Tagelöhnerschaft
an geborgenen Bergen schön.

 

Gerburg Garmann: Beim Unfug der Wolken
Beim Unfug der Wolken

Beim Unfug der Wolken
züngelt die Raupe sich
durch
die in Kokon geschlagenen Neuigkeiten

hangelt sich an Erdrutschen entlang
durch
beschlossene Sachen hindurch

vergisst sich alsbald in purpurnen Zeilen

die brannten uns vormals unter den Nägeln
bevor sie jeden Rat in den Wind schlugen