Renate Solbach: Zeichen

Uncategorised

Gabi Rüth ist tot. Einen solchen Satz hinzuschreiben – hinschreiben zu können –, geht über den Horizont kaum vergangener Tage. Er hat etwas Mechanisches, er enthält eine Feststellung, der nichts Festgestelltes entspricht. Wir wissen nicht, ob sie mit ›diesem‹ Leben, das nie ganz das eigene ist, abgeschlossen hat, abschließen durfte, oder ob sie mit einer Frage, die bis zum Schluss Wunde blieb, in den Tod ging. Das zu wissen – oder zu ahnen – ist dem engsten Kreis der Ihren vorbehalten. Wir, die Freunde, die dieses pulsierende und herzliche Leben gekannt haben, bleiben ratlos an der Grenze zurück, die ein dahingegangenes Leben von allen Versuchen trennt, ›den Tod zu verstehen‹.

0
0
0
s2smodern
powered by social2s

Iablis aktuell

Thema 2020: Schach dem Wissen. Über schwarze und weiße Wissenschaft

Um ein naheliegendes Missverständnis abzuwehren: Bei diesem Jahresthema geht es nicht um Rassismus, sondern um legitime und illegitime Optionen in der Wissenschaft oder, um es weiter zu fassen, auf den tradierten Feldern des Wissens. Dass in den Wissenschaften, wie überall in der Gesellschaft, ›schwarze Schafe‹, also Betrüger anzutreffen sind, ist eher geeignet, die Fülle an Zusammenhängen zu verdecken, die sich auftun, sobald man damit beginnt, das ›Feld der Wissenschaft‹ als Schachbrett zu verstehen. So wie das Muster aus schwarzen und weißen Feldern erst die klar definierten Züge des königlichen Spiels ermöglicht, ermöglicht die Differenz erlaubt / nicht erlaubt die unübersehbare Fülle wissenschaftlicher Operationen.

Wie es um die Mechanismen zur Legitimierung und Delegitimierung von Positionen samt den dazugehörigen Strategien in der zeitgenössischen Szene steht, dafür bietet die Klimawissenschaft seit Jahren die anschaulichsten – und populärsten – Beispiele. Dabei steht sie keineswegs allein, wie selbst vergleichsweise harmlos erscheinende Disziplinen, etwa die unter die Räder der Gender-Debatte geratene Altphilologie, gelegentlich unter Beweis stellen. Einer der bestechendsten Züge von Wissenschaft besteht darin, dass es ihr immer wieder gelingt, die in der Gesellschaft aufbrechenden Konflikte um sie und ihre ›Ergebnisse‹ in sich aufzunehmen und zu reflektieren. Wissenschaft kennt keine Feindschaft, jedenfalls nicht im üblichen (oder Schmittschen) Sinne des Wortes. Das könnte Erstaunen hervorrufen, da ihr Verfahren, allgemein gesprochen, gerade der Ausschluss ist – Exklusion statt Inklusion.

0
0
0
s2smodern
powered by social2s
Weiterlesen ...
Yagiridia. Capriccio
Yagiridia. Capriccio
Ich will diesen Sack vermöbeln
Ich will diesen Sack vermöbeln
GRABBEAU · ACTA LITTERARUM