Renate Solbach: Zeichen

Themen/Jahrgänge

EDELBERT RICHTER: Für ein Ende der Halbwahrheiten. Korrekturen an unserem Bild von Judentum und Nationalsozialismus, Edition Sonderwege, Manuscriptum Verlagsbuchhandlung, Lüdinghausen und Berlin 2018, 448 Seiten

Wenn Edelbert Richter sich äußert, dann ist das ernst zu nehmen. Als ausgebildeter Theologe und gebildeter Philosoph, in der einstigen DDR-Opposition eher auf dem linken Flügel, und langjähriger SPD- Parlamentarier tut er das immer wieder in Buchform, um den Dingen auf den Grund zu gehen. Effekthascherei wird ihm niemand unterstellen, der ihn kennt. Nach einem Werk, das die Tradition »deutschen Vernunft«-Denkens dem »angelsächsischen Verstand« systematisch gegenüberstellt, ist vor einem Jahr Für ein Ende der Halbwahrheiten. Korrekturen an unserem Bild von Judentum und Nationalsozialismus erschienen.

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EGON BAHR: Was nun? Ein Weg zur deutschen Einheit. Herausgegeben von Peter Brandt und Jörg Pache, Berlin (Suhrkamp) 2019, 222 Seiten

Was erfahren Schulklassen heute im Geschichtsunterricht über Egon Bahr, den Mann, einst bekannt als der ›Architekt der Ostpolitik‹, und sein politisches Konzept? Historischen Aufschluss vermittelt die vorliegende Schrift. Ihre Veröffentlichung verdankt sich dem Engagement Adelheid Bahrs, der Witwe Egon Bahrs, sowie dem Hagener Historiker und ältesten Sohn Willy Brandts, Peter Brandt. Es handelt sich um den Erstdruck eines 1965/66 von Bahr verfassten Manuskripts, das in dessen Nachlass bei der Friedrich-Ebert-Stiftung aufbewahrt wird. Die einstige Brisanz des Textes ist daran abzulesen, dass der Verleger Klaus Piper eine Publikation des Manuskripts seinerzeit ablehnte, da ihm – wie der Editorischen Notiz zu entnehmen – die »betont nationale Zielrichtung« der Abhandlung sowie deren »vermeintliche Verabsolutierung der Einheit gegenüber der Freiheit« nicht zusagte (S. 51). Auch Willy Brandt, der den Gedanken seines Vertrauten Bahr weithin zustimmte, hielt zu jenem Zeitpunkt – es war die Vorphase der von der ersten schweren Rezession überschatteten Großen Koalition – eine Veröffentlichung nicht für ratsam.

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In Memoriam Kurt Scheel

Das Recht auf freie Meinungsäußerung gehört, neben der Demonstrationsfreiheit und der Freiheit, Koalitionen zu bilden, zu den Grundbedingungen eines demokratischen Gemeinwesens. Diese Freiheiten sind nicht umsonst als Grundrechte in der Verfassung verankert, und sie bauen aufeinander auf: Nur wo jeder seine abweichende Meinung ungehindert äußern und sie zusammen mit anderen öffentlich artikulieren kann und darüber hinaus die Möglichkeit besteht, sich als politische Opposition zu organisieren, können wir von demokratischen Verhältnissen sprechen.

Über die Bedrohung der Meinungsfreiheit wird in letzter Zeit viel gestritten und auch lamentiert. Zu Recht und zu Unrecht. Beides soll hier untersucht werden.

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Iablis aktuell

Thema 2020: Schach dem Wissen. Über schwarze und weiße Wissenschaft

Um ein naheliegendes Missverständnis abzuwehren: Bei diesem Jahresthema geht es nicht um Rassismus, sondern um legitime und illegitime Optionen in der Wissenschaft oder, um es weiter zu fassen, auf den tradierten Feldern des Wissens. Dass in den Wissenschaften, wie überall in der Gesellschaft, ›schwarze Schafe‹, also Betrüger anzutreffen sind, ist eher geeignet, die Fülle an Zusammenhängen zu verdecken, die sich auftun, sobald man damit beginnt, das ›Feld der Wissenschaft‹ als Schachbrett zu verstehen. So wie das Muster aus schwarzen und weißen Feldern erst die klar definierten Züge des königlichen Spiels ermöglicht, ermöglicht die Differenz erlaubt / nicht erlaubt die unübersehbare Fülle wissenschaftlicher Operationen.

Wie es um die Mechanismen zur Legitimierung und Delegitimierung von Positionen samt den dazugehörigen Strategien in der zeitgenössischen Szene steht, dafür bietet die Klimawissenschaft seit Jahren die anschaulichsten – und populärsten – Beispiele. Dabei steht sie keineswegs allein, wie selbst vergleichsweise harmlos erscheinende Disziplinen, etwa die unter die Räder der Gender-Debatte geratene Altphilologie, gelegentlich unter Beweis stellen. Einer der bestechendsten Züge von Wissenschaft besteht darin, dass es ihr immer wieder gelingt, die in der Gesellschaft aufbrechenden Konflikte um sie und ihre ›Ergebnisse‹ in sich aufzunehmen und zu reflektieren. Wissenschaft kennt keine Feindschaft, jedenfalls nicht im üblichen (oder Schmittschen) Sinne des Wortes. Das könnte Erstaunen hervorrufen, da ihr Verfahren, allgemein gesprochen, gerade der Ausschluss ist – Exklusion statt Inklusion.

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Yagiridia. Capriccio
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Ich will diesen Sack vermöbeln
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GRABBEAU · ACTA LITTERARUM