Renate Solbach: Sarkophag

Themen/Jahrgänge

 Es kommt die Zeit, da wir alle fort und vergessen sind, und das Einzige, was dann von uns übrig ist, sind die Treibhausgase, die wir mehr oder weniger unwissentlich in die Atmosphäre gepustet haben.
Greta Thunberg, Svante Thunberg, Malena Ernman, Beate Ernman

Klimakiller

Zwischen 1950 und 2000 stieg die Durchschnittstemperatur über den Landmassen der Erde um einen Wert unter einem Grad Celsius an. Tiefer liegt, bei weit geringerer Dichte der Messstationen, der entsprechend über der Meeresoberfläche ermittelte Wert. Im gleichen Zeitraum stieg, mit wachsender Tendenz, der atmosphärische CO2-Anteil im Weltdurchschnitt um ca. 50 ppm, von denen man auf Grund von Isotop-Messungen annimmt, dass sie durch menschliche Emissionen zustandekommen: eine ebenfalls rein statistische Größe, die keinerlei Aussage über die etwa auf einer NASA-Animation zu betrachtende, den staunenden Laien recht ungleich anmutende Verteilung des Spurengases in der, sagen wir, erdumspannenden Troposphäre enthält, geschweige denn darüber, ob das wichtig ist oder nicht.

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Geschrieben von Hans von Storch und Nico Stehr


Während das Klimathema in diesem Sommer das allüberragende Thema in der öffentlichen Diskussion ist, fokussiert sich die politische Wahrnehmung auf unwirksame, symbolische Maßnahmen, die nur bedingt etwas mit Klima zu tun haben: Geschwindigkeitsbegrenzungen, Wegwerftassen, Tierwohl, Dieselverbot, Flugscham, um einige zu nennen. Derweil werden die zwei wirklich relevanten Aspekte ausgeblendet. Einmal, dass das 2 Grad-Ziel nur eingehalten werden kann, wenn in allen Ländern der Welt wirksame, auf die Quantität der globalen Emissionen gezielte Maßnahmen schnell eingeleitet werden. Zum anderen, dass auch im optimistischen Fall die gegenwärtigen Klimaänderungen sich weiter verschärfen werden, und ebenfalls überall auf der Welt, aber regionalspezifisch, Vorsorge zu schaffen ist, wie mit diesen Änderungen umgegangen werden kann.

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FABIAN GEORGI: Managing Migration? Eine kritische Geschichte der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Berlin (Bertz + Fischer) 2019, 445 Seiten

Der Politikwissenschaftler Fabian Georgi hat mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) einen – erstaunlicherweise – eher unbekannten, unbeobachteten Akteur der internationalen Migrations- und Flüchtlingspolitik zum Sujet sowohl des im Folgenden zu besprechenden Werkes als auch seiner zugrundeliegenden Dissertation (2016) gemacht. Für Letztere wurde der Verfasser mit dem Antonio-Gramsci-Preis für kritische Forschung in der Migrationsgesellschaft 2018 ausgezeichnet. Die Idee, eine Arbeit über die wenig bekannte und gewürdigte IOM und ihre Geschichte aus kritischer Perspektive vorzulegen, ist eine zündende: Erhält der Leser mit dem Buch doch eine umfassende Einführung in die Entwicklung und Rolle dieser internationalen Migrationsorganisation, der Kritiker und Gegner regelmäßig vorwerfen, sie zeige in ihrem Wirken keinen hinreichenden Sensus für die Menschenrechte von Migranten und Flüchtlingen und fungiere dem Globalen Norden und seiner Wohlstandswahrung vielmehr als Instrument der Abschottung gegen Migration und der Eindämmung von Migrationsströmen, insbesondere aus der südlichen Hemisphäre kommend.

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Iablis aktuell

Thema 2019: Formen des Politischen

Ob ›die Politik‹ seit dem 11. September 2001 neuen Mustern folgt (oder vielleicht doch eher seit dem Ende des Warschauer Pakts und der Sowjetunion oder dem Kosovo-Krieg oder dem 4. September 2015 – dem Beginn der ›Grenzöffnungskrise‹ – oder dem 20. Januar 2017 – dem Tag des Amtsantritts Donald Trumps – oder einem anderen dringend benötigten Orientierungsdatum), scheint eine eher kurzatmige Frage zu sein, vibrierend vom Wunsch nach unerhörten Begebenheiten im Gefolge der Ausbildung bisher kaum im Ansatz analysierter Machtstrukturen und Handlungsoptionen.

Wer die langen Zeiträume überblickt, in denen Politik ›gemacht‹ wurde, dem fallen ohnehin eher Parallelen ein als das Neue. Auffällig ist allerdings, dass sowohl Geo- als Biopolitik in den zurückliegenden Jahren eine Wendung genommen haben, die, obgleich lange vorausgesagt, von vielen so nicht erwartet wurde. Das liegt nicht zuletzt an den vielfältigen Versuchen, beide Politikformen zu fusionieren. Allein das exzessive Deutungsgeschehen um den sogenannten ›Alterungsprozess‹ Europas und einiger anderer Gesellschaften, der scharf mit den Geburtenüberschüssen vor allem islamisch geprägter Weltregionen kontrastiert, ist im Kern politikinduziert und politikgeleitet. Wer das nicht begreift, findet sich rasch im argumentativen und gesellschaftspolitischen Abseits wieder.

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Yagiridia. Capriccio
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Ich will diesen Sack vermöbeln
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GRABBEAU · ACTA LITTERARUM