Drucken
Rubrik: Siegmar Faust: Aorta

Was soll mir noch einfallen in dieser Irrsinnszeit?
Bin ich eine stark gefährdete Mopsfledermaus?

Ich stehe auf der Roten Liste wie eine ebenso gefährdete Kröte
und all die Nutztierrassen der Stufe I = extrem gefährdet

Schamhaft stehe ich vor dem Spiegel:
Bin ich ein Limpurger Rind? Ein Schwarzes Bergschaf?
Ein Alt-Württemberger Pferd? Ein Sachsenhuhn?
Ein Westerwälder Kuhhund oder gar ein Deutsches Sattelschwein?

Haut ab ihr rassistischen Gedanken der Diskriminierung!
Ich zertrümmere den Spiegel und gelobe Besserung.

Nun bin ich aus dem Rahmen gefallen, erkenne mich nicht mehr
in diesem Dunkeldeutschland, doch ich höre noch die Rufe
der Hirten, der Gebetsrufer vom Minarett, bis mir der Salat aus
den Ohren sprießt...

Ich rette mich vor denen, die auf dem Tempelberg ihre Kreuze
versteckten und fliehe zu Buddha, der mir sagen will, was ein
besserer Mensch so treibt. Er sticht weder andere ab noch aus,
sondern hält vom Töten ab und meidet Betrug und die
Annahme von Diebesgut.

Mit Märchen lullen uns Politiker ein. Was haben sie geschworen?
Oh, wir regierten Affen, wir schaffen das. Was? Das!

Ich vernachlässige nicht die Logik, aber sie verlässt mich, wenn
ich einigen Rednern zuhöre. Ihr Redefluss wellt sich kreuz und
quer über die ganze Welt, doch die hat kein Wort davon bestellt.

Ich will diese Zeit verlassen, aber sie lässt mich nicht. So sehe
ich verweinten Auges, wie ein Weg entsteht, den keiner begeht,
weil jeder hier jedem im Wege steht...

 

(191219)

 

0
0
0
s2smodern
powered by social2s