Ulrich Schödlbauer

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In der bitteren Sphäre, dort, wo Hahn und Huhn auf ewig geschiedene Wege gehen, stand das dürre Weiblein am Pult und klagte an:

»Glauben Sie nicht, dass Sie mit Ihren Lügen davonkommen werden!«

»Welche Lügen?« ereiferte sich Altamira, die Abgeordnete mit dem leuchtenden Haarschopf rechts von der Mitte. »Ich war doch noch gar nicht dran.«

»Darauf muss ich nicht eingehen«, schrillte das dürre Weiblein und sammelte seine Papiere ein. Es blickte unruhig, denn es wusste nicht, wieviel Zeit ihm noch blieb.

Das große Huhn sah auf die Uhr und senkte beruhigend die Flügel.

Das dürre Weiblein straffte sich.

Ein Leuchten ging von ihr aus.

»Wir wollen Menschen vor dem sicheren Tode retten und Sie wollen sie nicht retten. So ist das.«

»Genau anders herum!«

»Sie wollen sie absaufen lassen, jawohl. Sie wollen sie absaufen lassen. Das ist eine Schande für dieses Land.«

»Sie wollen, dass dieses Land absäuft. Schande!«

»Schande!«

»Schande!«

»Schande!«

»Schande!«

»Schande!«

»Schande!«

»Schande!«

»Schande!«

Gleich hinter dem großen Huhn, an der Stirnwand des Hohen Hauses, hing der große Hahn, flach wie ein Pfannkuchen, und musterte die Versammlung. Die Krallen hielt er gesenkt, als wollte er sagen: Das können jetzt andere besser.

 

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