Ulrich Schödlbauer

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Die Zirkophanten epigenierten sich nicht schlecht, als Rapolter, die Hände stolz an den Hosengurt gelegt, mit einwärts gedrehten Daumen den langen Teppich entlangbalatourte, den die Hotelverwaltung Hinkeputze für die Zeiten spendiert hatte, zu denen er Hof hielt.

Viel hat Rapolter sich vorgenommen für diesen Tag, den Tag des Festes, den Tag der Befreiung, den Tag der Erlösung, den Tag der Tage. An diesem Tag muss er taff sein, damit die Enkelkinder die richtigen Geschichten zu hören bekommen werden von ihrem Großvatervater, der ein großer Maxe gewesen ist in der Welt der Großen und kein Klabaffe.

Hinkeputze, übel gelaunt, spielt mit dem Gedanken, die Sache hier sausen zu lassen, denn draußen, das hat er gerade per Boten erfahren, der es in Form der zerknitterten SMS aus dem Hosensack klaubte, draußen brennt’s.

Es ist richtig Feuer im Busch, die Mannschaft hat geschlossen die Identität gewechselt, sie bekennt sich jetzt zum Stamme der Fakematrosen, also seiner erbittertsten Feinde, und plündert die Whisky-Vorräte.

»Scheiß auf die Vorräte«, kritzelt er auf einen Bogen Papier, dessen Anblick sein Zakkamat, wie stets leicht gebeugt links hinter ihm stehend, in die Zentrale streamt, wo die Kerle mit den richtigen Beulen in den richtigen Hosen an den richtigen Bildschirmen sitzen, um die richtigen Entscheidungen in den richtigen Momenten richtig umzusetzen.

Hinkeputzes Geduld ist am Ende.

»Scheiß auf die Vorräte!« blafft er Rapolter an, der sich im Teppich verfängt und fast zu Boden geht. Nur sein Sinn für Devotion hält ihn aufrecht.

Rapolter ahnt die Tiefe des Satzes, der sich wie ein Blitz seiner Seele bemächtigt hat, er kennt jetzt seinen Platz in der Geschichte, bescheiden und würdevoll, er sieht den langen Zug seines stolzen Volkes von den Bergen hernieder in die Ebenen und wieder hinauf zu den Höhen und begreift.

Scheiß auf die Vorräte.

 

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