Ulrich Schödlbauer

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Ein Held ist gestorben, einer steht bereit, in seine Fußstapfen zu treten.

Das ist die Regel.

Fac ten Chek sah sich weder bereit noch willens, das Erbe des Generals anzutreten. Er hätte auch nicht gewusst, wie das zu bewerkstelligen sei. Aber er hatte ein Gefühl. Langsam, sehr langsam hatte es gekeimt, hatte just an dem Tag den Boden des Bewusstseins durchstoßen, als sie Pe Ting am obligaten Regentag zu Grabe trugen.

Er hatte nicht mit Hand angelegt. Fast hätte die empfundene Schwere des Sargs ihm eine Muskelzerrung verursacht. Jenes Gefühl, es stand, ein schlanker Sprössling, am Kreuzungspunkt vieler Wege. Ein ums andere Mal sah er sich genötigt, einen Bogen darum zu machen. Bald würde es Zweige in alle Richtungen treiben und mit seinem Blattwerk die neue Mitte markieren: Schau, wer du bist.

Wer bin ich, fragte Fac ten Chek und grinste in sich hinein.

Niemand, rauschte das silberne Blattwerk – aus irgendeinem Grund musste es silbern sein, es rauschte auch silbrig –, niemand bist du, niemand wirst du sein, bilde dir nur nicht ein, du seist jemand. Jemand wie du … niemand ist wie du, niemand gleicht dir aufs Haar, niemand denkt deine Gedanken, niemand besitzt deine Gene…

Ganz stimmt das nicht. Jene Nacht in Düsseldorf –

Falls du niemand bist, ist er der ganz andere, der, von dem du nichts weißt, der, von dem du nichts siehst, der, von dem du nichts hast, denn alles hat er: etwas einseitig, beinahe abseitig, findest du. Warum er? Das ist schon ein wenig viel … Person, nicht wahr, zu viel Person, nicht wahr, niemand ist niemand. Weder Mensch noch Sache, weder Pflanze noch Tier, weder tot noch lebendig.

Niemand.

 

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