Ulrich Schödlbauer

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Erlösung wovon? Von sich? Drehte sich von neuem das Rad? Heute kamen die Partner des Westens nicht mehr aus dem alten Osten. Leute wie Fac ten Chek bezog er frisch aus der eigenen Mitte. Gleichgültig, wo sie geboren waren, gleichgültig, ob sie ihn in einem früheren Leben vehement abgelehnt hatten, gleichgültig, ob sie ihn noch immer innerlich ablehnten – selbst ihre Ablehnung war zum Ferment des Westens geworden, Treibstoff eines uneingestandenen und umso wirksameren Westlertums. Und sie? Empfanden es tief und zelebrierten es lächelnd. Strömten aus Harvard, aus Oxford, aus den Hörsälen des MIT, aus Fontainebleau oder Tokio in ihre klimatisierten Büros. Die Papiere, die sie ihren Bewerbungen beilegten, trugen die Stempel von Wirtschaftsschulen, errichtet rund um den Erdball von klugen Vermarktern der Exzellenz. Sie hatten die Herkunft ins Herz gebannt, wo sie hingehörte. Jedenfalls glaubten sie das. Dabei unterschied, was da rege wurde, sich wenig von jenem Hochmut, den sie bei den einstigen Kolonisatoren noch immer wahrzunehmen glaubten und den sie hassten.

Hier, der Hass. Er stand auf gegen eine Unterdrückung, über die sie gleichzeitig lächeln konnten, so dünn, so imaginär war sie geworden, so … substanzlos, dass man sich mühelos mit den Unterdrückern darüber verständigen konnte, die begierig darauf aus waren, sich zu solidarisieren – mit wem? Mit den Opfern von gestern? Mit den Konkurrenten von heute? Mit den Feinden von morgen? Was war sein östliches Erbe, verglichen mit dem vielgestaltigen Osten des Westens, der vielleicht eines Tages ebenso vom Antlitz der Erde verschwinden würde, wie die Welt Pe Tings vor seinen Augen verschwand, ohne dass er sie sehen, ohne dass er sie in sich aufnehmen konnte? Was war es wirklich? Eine Lehre? Ein Blatt?

 

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