Ulrich Schödlbauer

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Wunder des Westens: Euch fällt nichts auf.

Dabei tragt ihr das Wissen in euch, ihr lasst es nur nicht heraus.

Ihr habt euch Regeln gegeben, die niemanden blenden außer euch selbst.

So sieht es aus. Ihr tragt eine Sucht nach Blindheit in euch, Religion genannt, mit dieser kleinen Distanz in der Stimme, die verrät, dass sie euch nicht überzeugt. Was dann? Sie bereichert euch. Aber wie? In welchem Sinn? In welchem Nicht-Sinn? Sie setzt, sagt ihr, etwas gegen das Elend der Welt. Welches Etwas?

Der Glaube, sagt ihr, der Glaube an etwas verändert die Welt. Glaube an was?

Worin bitte unterscheidet sich der Glaube an etwas vom Glauben an Märchen, die keiner glaubt? Aber sie waren immer schon da und wurden für bare Münze genommen, sobald nichts Besseres zur Hand war. Ist dieser Glaube ohne Zusatz, Idealismus genannt, etwas, dessen Füllung alle paar Jahre wechselt, solange es nur etwas bleibt, was sich abrufen lässt, sobald einer von euch nicht weiter weiß? Was glaubt ihr, wer ihr seid? Erwählte … noch immer? Erwählte des Herrn, Erwählte des Schicksals, Erwählte der Natur, der Erde, des Kosmos, des Niedergangs, der Werte?

Diese Werte … sie haben euch gewählt. Sie sind hernieder gestiegen vom Firmament und haben in euch ihr Lager aufgeschlagen, angetan mit Purpur und Samt, das Schwert in der Hand, die Schafe zur Rechten, die Böcke zur Linken –.

Die Schafe, das seid ihr selbst. Die Böcke, das sind die anderen. Einerseits. Andererseits geben sie euren Werten Halt. Sie sind derdiedas Andere, dessen ihr euch annehmen müsst, Hüter der Welt, die ihr nun einmal seid. Da liegt es, das Etwas, das niemals weggeht: eure Weltzuständigkeit. Man kann euch ignorieren, plündern, verlachen, belügen, man kann eure Waffen gegen euch richten, man kann euch überstimmen und überfahren und übervorteilen, all das ändert: nichts.

Ihr seid zuständig.

 

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