Ulrich Schödlbauer

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Zuständig für was? Zuständig warum? Ich habe mit Realisten unter euch diskutiert und gelacht, sobald sie aus der Tür waren. Sie waren Renegaten, Abtrünnige, sie konnten nicht länger glauben, das aber unbedingt.

Jeder ihrer Sätze begann mit einem »Wissen Sie, was ich glaube…«

Der Unglaube war ihr Glaube. Unter Zweifeln hatten sie sich zu ihm durchgerungen, unter wirklichen Glaubensqualen, mit dem unverrückbaren Vorsatz, zum wahren Glauben zurückzufinden, sobald er endlich Beweise vorlegte, unentwegt auf der Suche nach Beweisen, Beweisen, Beweisen, hard facts, Beweisen für, Beweisen gegen, Beweisen wofür?

Für das beunruhigte Gewissen, die Angst, zuviel gesehen zu haben, nicht aufhören zu können, nicht mehr zurückzufinden, sich ans Sehen verloren zu haben, verloren zu sein, das Glauben verlernt zu haben, seiner Essenz verlustig gegangen zu sein, seiner Essenzen, Weihrauch, Myrrhe, Kohl.

Sie haben sich an mich herangemacht, Verständnis heischend, Verständnis fordernd, mit dem Angstblick des Delinquenten, der auf seine Hinrichtung wartet und nicht daran glauben kann, mit dem Grinsen des Autoverkäufers, der seinem Kunden verrät, dass er im Begriff ist, ein Stück Rost zu erwerben, mit dem stockenden Elan des Seitenwechslers, der keinen Übergang findet, mit der Pose des Eingeweihten.

In was?

In die andere Seite des Spiels?

In die Spiele der anderen Seite?

Ihr habt euch verändert? Ja, das habt ihr.

Kleinlaut seid ihr geworden, das hat sich verändert.

Heute fürchtet ihr euch vor dem, worin ihr einst Meister wart: dem Fanatismus der Anderen.

Alles ist zeitversetzt. Die eine Welt, die ihr träumt, existiert nicht.

 

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