Ulrich Schödlbauer

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Nach dem Gemetzel, damals, als ich euch zum zweiten Mal kennenlernte, schient ihr bereit, die Tür aufzustoßen. Ihr wolltet am Anderen wachsen. Ihr wolltet uns zulassen.

Nach allem, was geschehen war, wolltet ihr zulassen, dass es uns gibt.

Damals wolltet ihr unseren Kampf gut finden, ganz so, als sei es euer Kampf gewesen und ihr hättet nun gesiegt. Uns wolltet ihr gut finden. In uns wolltet ihr das Gute finden. Enttäuscht wart ihr, wenn wir euer Ansinnen lächelnd abwehrten.

Überhaupt unser Lächeln: ihr machtet es zur Ikone.

Alles an euch wird Bild. An Bildern richtet ihr euch aus.

Nofretete, Fundstück aus der Vorgeschichte eurer Kultur: Wozu habt ihr sie gebraucht? Um Generationen von Sekretärinnen zu zeigen, wie man sich schminkt und wie man sich trägt.

Ihr seid enttäuscht von uns und könnt es nicht zugeben. Warum? Weil es gegen eure Gesinnung verstößt. Lieber wäre es euch, wir hätten unsere Lektion gelernt und wären bereit, das Gute in euch zu entdecken. Bedauerlicherweise haben wir nicht gegen euch gekämpft, um euch gut zu finden. Wir haben gekämpft, denn wir hatten einen Weg gefunden, auf dem es klappen konnte. Es hat geklappt, heute stehen wir an anderen Fronten. Nicht wahr, mon général? (Kleiner Scherz, Pe Ting, du bist mein Genosse von Kindesbeinen an, ein bisschen mein General bist du schon, für kurze Zeit noch, dann verschone ich dich damit. Wenn du meine Gedanken hörst, dann weißt du: das ist der Tod. Ihr und wir: das war dein Spiel. Du hast es gespielt, blutig, unblutig, grausam, blass, kalt, verschlossen, aber, soweit ich das beurteilen kann, gut. Wenn ich mich ein wenig mit dir beschäftige, dann nicht deinetwegen. Du verstehst, ich bin nicht deinetwegen gekommen, man kommt nie um des anderen willen, man kommt, weil es sich so gehört. Ich bin gekommen, weil ich etwas über den Feind lernen will.)

 

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