Renate Solbach: Zeichen

Zur Person:

Egon Flaig, geb. 1949, Professor (emeritus) für Alte Geschichte an der Universität Rostock, Preis der Aby-Warburg-Stiftung 1997. Forschungsschwerpunkte: Politische Anthropologie von Konsensritualen und Entscheidungsverfahren, Ideengeschichte von Freiheit und Sklaverei, Geschichte und Politische Philosophie des Republikanismus. Buchveröffentlichungen: Giovanni Boccaccio (1984); Angeschaute Geschichte. Zu Jacob Burckhardts »Griechische Kul­turgeschichte« (1987); Den Kaiser herausfordern. Die Usurpation im Römischen Reich (1992); Ödipus. Tragischer Vatermord im klassischen Athen (1998) Römische Republik von den Gracchen bis Sulla (Fernuniversität Hagen 1999); Römische Republik von Sulla bis zu Cäsars Konsulat (Fernuniversität Hagen 1999); Ritualisierte Politik. Zeichen Gesten und Herrschaft im Alten Rom (2003); Weltgeschichte der Sklaverei (2009); Die Mehrheitsentscheidung. Entstehung und kulturelle Dynamik (2013); Gegen den Strom. Für eine säkulare Republik Europa (2013); Die Niederlage der Politischen Vernunft. Wie wir die Errungenschaften der Aufklärung verspielen (2017)

 

 

Iablis aktuell

Thema 2020: Schach dem Wissen. Über schwarze und weiße Wissenschaft

Um ein naheliegendes Missverständnis abzuwehren: Bei diesem Jahresthema geht es nicht um Rassismus, sondern um legitime und illegitime Optionen in der Wissenschaft oder, um es weiter zu fassen, auf den tradierten Feldern des Wissens. Dass in den Wissenschaften, wie überall in der Gesellschaft, ›schwarze Schafe‹, also Betrüger anzutreffen sind, ist eher geeignet, die Fülle an Zusammenhängen zu verdecken, die sich auftun, sobald man damit beginnt, das ›Feld der Wissenschaft‹ als Schachbrett zu verstehen. So wie das Muster aus schwarzen und weißen Feldern erst die klar definierten Züge des königlichen Spiels ermöglicht, ermöglicht die Differenz erlaubt / nicht erlaubt die unübersehbare Fülle wissenschaftlicher Operationen.

Wie es um die Mechanismen zur Legitimierung und Delegitimierung von Positionen samt den dazugehörigen Strategien in der zeitgenössischen Szene steht, dafür bietet die Klimawissenschaft seit Jahren die anschaulichsten – und populärsten – Beispiele. Dabei steht sie keineswegs allein, wie selbst vergleichsweise harmlos erscheinende Disziplinen, etwa die unter die Räder der Gender-Debatte geratene Altphilologie, gelegentlich unter Beweis stellen. Einer der bestechendsten Züge von Wissenschaft besteht darin, dass es ihr immer wieder gelingt, die in der Gesellschaft aufbrechenden Konflikte um sie und ihre ›Ergebnisse‹ in sich aufzunehmen und zu reflektieren. Wissenschaft kennt keine Feindschaft, jedenfalls nicht im üblichen (oder Schmittschen) Sinne des Wortes. Das könnte Erstaunen hervorrufen, da ihr Verfahren, allgemein gesprochen, gerade der Ausschluss ist – Exklusion statt Inklusion.

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Yagiridia. Capriccio
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Ich will diesen Sack vermöbeln
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GRABBEAU · ACTA LITTERARUM