Renate Solbach: Zeichen

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Felicitas Söhner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Düsseldorf; Forschungsschwerpunkte: Medizin- und Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, insbesondere Geschichte des medizinischen Kinderschutzes, der Psychiatrie und der Humangenetik; Oral History und Zeitgeschichte; Europäische Erinnerungskultur und deren biographische Verarbeitung; Publ.: Antonie Pfülf – »denn Demokratie bedeutet ein viel schwierigeres Kampfmittel, als es die Gewalt gewesen ist«, in: Schöler et al. Weltkrieg. (2018); The impact of dealing with late effects of NS-terror to West-German psychiatric care (mit G. Baader), in: Psychiatric Quarterly (2018); Der Weg zur Psychiatrie-Enquete. Rekonstruktion der politischen Vorbereitung der ersten Enquetekommission des Deutschen Bundestags (mit H. Fangerau, T. Becker) in: Nervenarzt (2017); Der Umbruch von 1989 – eine Betrachtung semantischer Diskurse und historischer Verantwortung (2014); Vom Konfliktherd zur Modellregion – Selbst- und Fremdbilder entlang der Hohen Straße in Schlesien (2013).

Beiträge zu IABLIS vor 2015:

[2013] [2014]

Iablis aktuell

Thema 2020: Schach dem Wissen. Über schwarze und weiße Wissenschaft

Um ein naheliegendes Missverständnis abzuwehren: Bei diesem Jahresthema geht es nicht um Rassismus, sondern um legitime und illegitime Optionen in der Wissenschaft oder, um es weiter zu fassen, auf den tradierten Feldern des Wissens. Dass in den Wissenschaften, wie überall in der Gesellschaft, ›schwarze Schafe‹, also Betrüger anzutreffen sind, ist eher geeignet, die Fülle an Zusammenhängen zu verdecken, die sich auftun, sobald man damit beginnt, das ›Feld der Wissenschaft‹ als Schachbrett zu verstehen. So wie das Muster aus schwarzen und weißen Feldern erst die klar definierten Züge des königlichen Spiels ermöglicht, ermöglicht die Differenz erlaubt / nicht erlaubt die unübersehbare Fülle wissenschaftlicher Operationen.

Wie es um die Mechanismen zur Legitimierung und Delegitimierung von Positionen samt den dazugehörigen Strategien in der zeitgenössischen Szene steht, dafür bietet die Klimawissenschaft seit Jahren die anschaulichsten – und populärsten – Beispiele. Dabei steht sie keineswegs allein, wie selbst vergleichsweise harmlos erscheinende Disziplinen, etwa die unter die Räder der Gender-Debatte geratene Altphilologie, gelegentlich unter Beweis stellen. Einer der bestechendsten Züge von Wissenschaft besteht darin, dass es ihr immer wieder gelingt, die in der Gesellschaft aufbrechenden Konflikte um sie und ihre ›Ergebnisse‹ in sich aufzunehmen und zu reflektieren. Wissenschaft kennt keine Feindschaft, jedenfalls nicht im üblichen (oder Schmittschen) Sinne des Wortes. Das könnte Erstaunen hervorrufen, da ihr Verfahren, allgemein gesprochen, gerade der Ausschluss ist – Exklusion statt Inklusion.

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