Renate Solbach: Zeichen

Zur Person:

Professor für Architekturtheorie. 1948 in Kabul geboren, Professor für Architekturtheorie an der Hochschule Anhalt, Dessau, 1998 bis 2008 Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, 1987-92 Projektleiter und Berater des Stadtteilsanierungsprojektes Nasriya in Aswan/Ägypten im Auftrag der GTZ, 1992-93 Berater der GTZ in Aswan/Ägypten. Div. Stadtentwicklungsprojekte im arabischen Rau.

Publikationen: 2004 Schrumpfende Städte - don't panic; 2006 Sustainability in Urbanism: Looking at the Future of our Cities; 2007 Erzählt und Erinnert – Bauhausgeschichte im kulturellen Gedächtnis unserer Zeit; 2007 The Memory of a City – The City as a Repository for Memories; 2008 ArchiLab Europe 2008 – Strategic Architecture; 2009 Genuss – von Verzierung und der Eleganz der Sachlichkeit.

Forum Stadt

Iablis aktuell

Thema 2020: Schach dem Wissen. Über schwarze und weiße Wissenschaft

Um ein naheliegendes Missverständnis abzuwehren: Bei diesem Jahresthema geht es nicht um Rassismus, sondern um legitime und illegitime Optionen in der Wissenschaft oder, um es weiter zu fassen, auf den tradierten Feldern des Wissens. Dass in den Wissenschaften, wie überall in der Gesellschaft, ›schwarze Schafe‹, also Betrüger anzutreffen sind, ist eher geeignet, die Fülle an Zusammenhängen zu verdecken, die sich auftun, sobald man damit beginnt, das ›Feld der Wissenschaft‹ als Schachbrett zu verstehen. So wie das Muster aus schwarzen und weißen Feldern erst die klar definierten Züge des königlichen Spiels ermöglicht, ermöglicht die Differenz erlaubt / nicht erlaubt die unübersehbare Fülle wissenschaftlicher Operationen.

Wie es um die Mechanismen zur Legitimierung und Delegitimierung von Positionen samt den dazugehörigen Strategien in der zeitgenössischen Szene steht, dafür bietet die Klimawissenschaft seit Jahren die anschaulichsten – und populärsten – Beispiele. Dabei steht sie keineswegs allein, wie selbst vergleichsweise harmlos erscheinende Disziplinen, etwa die unter die Räder der Gender-Debatte geratene Altphilologie, gelegentlich unter Beweis stellen. Einer der bestechendsten Züge von Wissenschaft besteht darin, dass es ihr immer wieder gelingt, die in der Gesellschaft aufbrechenden Konflikte um sie und ihre ›Ergebnisse‹ in sich aufzunehmen und zu reflektieren. Wissenschaft kennt keine Feindschaft, jedenfalls nicht im üblichen (oder Schmittschen) Sinne des Wortes. Das könnte Erstaunen hervorrufen, da ihr Verfahren, allgemein gesprochen, gerade der Ausschluss ist – Exklusion statt Inklusion.

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