Muse del Oro

Aktuell

Einbrechendes Hoffnungsbild. Gedanken zu Paul Mersmanns »Zirkus«

Ein Hoffnungsbild bricht ein, hier und heute, weil kulturell nichts bereitsteht, das hülfe, mit dem Gegenblick zurechtzukommen. Vielleicht ging alles ein wenig schnell. Der globale Markt, der dieses Zukunfts- und Hoffnungsbild bescherte, war plötzlich da. Zukunftsbilder, die mit ihm nichts anzufangen wissen, verdammen seither zur Hilflosigkeit. So kam es zum Paukenschlag. Die Geschichte der transformierenden Fort- und Umschreibung von Zukunftsbildern riss ab. Der globale Markt schuf ein Zukunftsbild, das nur an ihn selber anknüpft. Konkurrenz, die es ernst zu nehmen hätte, gab und gibt es nicht. So avancierte dieses eine schubartig zum dominierenden Hoffnungsbild. Nicht jeder mag es, niemand aber will ins Blaue hoffen oder die Seinigen zum Hoffen ins Blaue schicken.
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Die SPD und der Mantel der Geschichte

 

Seit über einem Jahr verdichtet sich das mulmige Gefühl, dass der Bundesrepublik die Statik verrutscht. Es ist, als ob die Bundestagsparteien im Herbst 2017 auf Reset gewählt werden (wollen?). Reset auf das Niveau treuer Stammwählerschaft. Im Gegenzug dazu wird mit der AfD eine auf Ressentiment gepolte Partei ein unerwartetes Wachstum mit unvorhersehbaren Folgen für unsere Sicherheit erfahren. Regieren werden sie nicht, die allgemeine Stimmungslage verschlechtern sie auf jeden Fall.

Unerwartet wird das alles nicht kommen. Die erwartbar hohe AfD-Präsenz wird als Ergebnis eines jahrelangen Versagens der Bundesregierung und hier vor allem der Kanzlerin und der geradezu impotent erscheinenden demokratischen Parteienlandschaft über uns kommen.

Selbstverständlich vermag auch ich nicht die Wahlergebnisse des kommenden 24. September zu prognostizieren. Dies können die Meinungsforschungsinstitute genauso wenig. Im Moment sieht es jedoch so aus, dass die CDU so tut, als ob sie was aus 2015 gelernt hat und die SPD ihrerseits so tut, als ob sie nichts aus 2015 lernen muss. Die Wähler werden vermutlich diejenigen belohnen, die so tun, als ob sie was gelernt hätten. Die Republik dürfte damit nicht untergehen, nur die SPD scheint sich leider wieder einmal entschieden zu haben, vom Steuerrad nach Backbord zu wechseln, dabei ihre eigenen Graswurzeln unter ideologischem Beton ausdörrend.

Im Frühjahr 2017

Gunter Weißgerber

 


Über den Verfasser

Gunter Weißgerber, geboren 1955, Publizist, SPD-Abgeordneter des Deutschen Bundestages 1990-2005, zählt zu den Gründungsmitgliedern der SPD in der DDR (SDP). Er trat als Redner bei den Leipziger Montagsdemonstrationen auf und gehörte von März bis Oktober 1990 der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR an. Er zählte zu den 144 von der Volkskammer gewählten Abgeordneten, die am 3. Oktober 1990 Mitglied des Deutschen Bundestages wurden.

 

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Die Handlungstheorie von Panajotis Kondylis

Gegenwärtig wird fast jeder theoretische Erkenntnisgewinn in der jeweils gewünschten Richtung als methodisches Gebot und als Resultat der Logik des Verfahrens ausgegeben. Dabei dient die Berufung auf die Methode dazu, inhaltlich bereits getroffene Vorentscheidungen im Hinblick auf die Interpretation etwa eines historischen und soziologischen Stoffes zu stützen. Doch aus der bloßen Anhäufung von einzelnen empirischen Daten, die dann auf der Grundlage eines methodischen Verfahrens zu einem einigermaßen kohärenten Begriffssystem mit Anspruch auf Allgemeingeltung gebündelt werden, kann keine Wissenschaft entstehen. Denn der Einsatz einer bestimmten Erkenntnisweise und die Anwendung einer bestimmten Methode setzen bereits inhaltliche Überzeugungen über die Beschaffenheit der (physikalischen oder geschichtlich-sozialen) Welt voraus.

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Yagiridia. Capriccio
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Ich will diesen Sack vermöbeln
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GRABBEAU · ACTA LITTERARUM