Muse del Oro

16. Jahrgang 2017: Die (leid)geprüfte Demokratie

Paul Mersmann: Zirkus

Ein Hoffnungsbild bricht ein, hier und heute, weil kulturell nichts bereitsteht, das hülfe, mit dem Gegenblick zurechtzukommen. Vielleicht ging alles ein wenig schnell. Der globale Markt, der dieses Zukunfts- und Hoffnungsbild bescherte, war plötzlich da. Zukunftsbilder, die mit ihm nichts anzufangen wissen, verdammen seither zur Hilflosigkeit. So kam es zum Paukenschlag. Die Geschichte der transformierenden Fort- und Umschreibung von Zukunftsbildern riss ab. Der globale Markt schuf ein Zukunftsbild, das nur an ihn selber anknüpft. Konkurrenz, die es ernst zu nehmen hätte, gab und gibt es nicht. So avancierte dieses eine schubartig zum dominierenden Hoffnungsbild. Nicht jeder mag es, niemand aber will ins Blaue hoffen oder die Seinigen zum Hoffen ins Blaue schicken.

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Gegenwärtig wird fast jeder theoretische Erkenntnisgewinn in der jeweils gewünschten Richtung als methodisches Gebot und als Resultat der Logik des Verfahrens ausgegeben. Dabei dient die Berufung auf die Methode dazu, inhaltlich bereits getroffene Vorentscheidungen im Hinblick auf die Interpretation etwa eines historischen und soziologischen Stoffes zu stützen. Doch aus der bloßen Anhäufung von einzelnen empirischen Daten, die dann auf der Grundlage eines methodischen Verfahrens zu einem einigermaßen kohärenten Begriffssystem mit Anspruch auf Allgemeingeltung gebündelt werden, kann keine Wissenschaft entstehen. Denn der Einsatz einer bestimmten Erkenntnisweise und die Anwendung einer bestimmten Methode setzen bereits inhaltliche Überzeugungen über die Beschaffenheit der (physikalischen oder geschichtlich-sozialen) Welt voraus.

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Panzerkreuzer Aurora, Quelle: Wikimedia Commons 

Im Centennial der Russischen Revolution wollen wir ein paar unsystematische Erinnerungen aus dem Alltag der Sowjetgesellschaft in der Hochzeit des Kalten Krieges mitteilen. Diese Erinnerungen‚ ›von unten, wo das Leben konkret ist‹ (Hegel), stammen von Dieter Uhlig (*1934 in Chemnitz), der sich als einer der ersten deutschen Philosophie-Studenten nach dem Krieg an der Universität der Blockade-Stadt Leningrad einschreiben durfte. Er lebte zwischen Sept. 1953 und Juni 1958 in dieser für die russische und sowjetische Kultur so besonderen Stadt.

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In der klassischen Tradition galten alle reinen Formen der Regierung, also Monarchie, Aristokratie und Demokratie, für verderblich, da in ihnen die Tendenz zur Verschlechterung, zum Abkippen in die korrupte Form angelegt war. Die Monarchie galt vielfach auf den ersten Blick als die beste Regierungsform, da in ihr der »gute König« herrschte, der das Gemeinwohl im Sinn hatte und zugleich eine umfassende Handlungskompetenz besaß. Er wollte also das Gute und war auch in der Lage, dementsprechend zu handeln – was will man mehr. Allerdings gab es keine Garantie dafür, daß der gute König gut blieb.

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