Muse del Oro

Thema 2017

Acht Thesen und eine Diskussion

Das Aufkommen von starken rechtspopulistischen Parteien fast überall in Europa ist zunächst als Symptom ernst zu nehmen, dass ein breites Segment der Bevölkerung von den Parteien der Mitte, der gemäßigten und vielfach auch der entschiedenen Linken nicht mehr erreicht wird und sich von diesen nicht mehr vertreten fühlt. Der soziale Protest, der als solcher nicht diffamiert werden sollte, wird heute in Europa eher rechts und rechtsaußen als links artikuliert (Ausnahmen hauptsächlich Griechenland und die Iberische Halbinsel). Ein beträchtlicher Teil des rechten Populismus entspringt dem durchaus berechtigten Unmut über die Folgen der seit Jahrzehnten als »alternativlos«, auch von Mitte-links-Regierungen, forcierten neoliberalen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik (mit den Heilsrezepten Deregulierung, Privatisierung, Steuersenkung), Folgeerscheinung und zugleich Verstärkung der vom Finanzkapital getriebenen Globalisierung.

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»Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die Entwicklung der Wissenschaft mehr denn je entscheidend ist für das Schicksal der Welt. Nur Dank Forschung und Lehre haben wir eine kleine Chance, Schritt zu halten mit den menschgemachten Katastrophen, die uns drohen einzuholen und zu übermannen« liest man in der dänischen Tageszeitung Politiken im Sommer 2017 (Peter Wivel: Athens Eulen werden die Flügel beschnitten, Debat, S. 7 – 24.7.2017). Vermutlich teilen viele diese Einschätzung, die ›der‹ Wissenschaft eine wesentliche, wenn nicht dominante Rolle in unserem Umgang mit unserer Umwelt zuweist. Zumindest der naturwissenschaftlichen Umwelt, wohl weniger der sozialen Umwelt.

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Ein Hoffnungsbild bricht ein, hier und heute, weil kulturell nichts bereitsteht, das hülfe, mit dem Gegenblick zurechtzukommen. Vielleicht ging alles ein wenig schnell. Der globale Markt, der dieses Zukunfts- und Hoffnungsbild bescherte, war plötzlich da. Zukunftsbilder, die mit ihm nichts anzufangen wissen, verdammen seither zur Hilflosigkeit. So kam es zum Paukenschlag. Die Geschichte der transformierenden Fort- und Umschreibung von Zukunftsbildern riss ab. Der globale Markt schuf ein Zukunftsbild, das nur an ihn selber anknüpft. Konkurrenz, die es ernst zu nehmen hätte, gab und gibt es nicht. So avancierte dieses eine schubartig zum dominierenden Hoffnungsbild. Nicht jeder mag es, niemand aber will ins Blaue hoffen oder die Seinigen zum Hoffen ins Blaue schicken.

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