Ulrich Schödlbauer

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Aufnahme: Renate Solbach (2020)
Fac ten Chek oder Der lange Marsch
Erzählung

 

1

Sie marschierten bei Tag.

Nachts hatten sie Wachtposten aufgestellt. Vergeblich brüllten sie den Himmel an, er möge sich identifizieren. In den Rüstungen, die sie auch im Liegen nicht ablegten, klapperten sie vor Kälte und wärmten sich am Gebrüll. »Nur so kann es gehen«, träumten sie sich hinweg, »und es muss gehen.«

Mittags hielten sie Rast. Zum Zweck der Nahrungsaufnahme lüpften sie ihre Visiere. Seit Beginn des Marsches hatte keiner mehr des anderen Nase gesehen, die eigene ebensowenig. »Der Anblick von Nasen macht blind«, hatte einer der ersten Tagesbefehle gelautet. Schob einer mal das Visier zu hoch und entblößte auf diese Weise den Nasensaum, dann starrten die Nachbarn an ihm vorbei ins Leere.

Auch das Wort ›Nase‹ geriet mit der Zeit in Verruf. Es rührte an eine Sache, die es nicht gab. Sie schraken zusammen, nahm einer es versehentlich in den Mund. »Was willst du damit sagen?« rief dann gleich einer aus der Runde. Das war der Denunziant.

Der lange Marsch hatte sie Vorsicht gelehrt und damit das Wichtigste überhaupt. Sie nannten es »Rücksicht auf die Alten«. Dabei hatten sie die Alten doch längst zurückgelassen. Die Tagträumer wähnten sie gut betreut; den Bedächtigen war schon klar, dass sie in einem Containerlager wegdämmerten, dessen Position mit jedem Tag, der verging, weiter im Ungewissen versank.

Die Vorsicht war allbeherrschend geworden.

Sie kontrollierte jeden vom ersten Atemzug bis zum letzten Seufzer, mit dem das Bewusstsein sich in die Büsche schlug. Sie hatte ein System bizarrer Regeln hervorgetrieben.

Besondere Mühsal verursachte die Pflege der Rüstung.

Es war Vorschrift, sie alle halbe Stunde, außen wie innen, mit einem speziellen Öl einzureiben. Dazu durfte der Besitzer, nach Sicherstellung des vorgeschriebenen Mindestabstands zum Anderen, sie kurzfristig an einigen festgelegten Scharnieren öffnen.

Kontrolleure, erkennbar an ihren in helles Plastikmaterial eingeschweißten Sonderrüstungen, gingen durch die Reihen und warfen jeden Regelbrecher unverzüglich aus dem Zug, nicht ohne ihm vorher den Helm vom Kopf zu ziehen – ein sicheres Todesurteil, wie alle glaubten, denn da draußen herrschte das Virus.

Die Entwicklung des Öls hatte Unsummen verschlungen, welche die kleine Gemeinde aus eigener Kraft nicht hatte aufbringen können. Die Schwächsten, durch Angst um den Verstand gebracht, hatten Schuldverpflichtungen auf ihre Kinder und Kindeskinder unterschrieben, nicht bedenkend, dass die Rüstungen, in die sie sich zwängten, bis auf weiteres den Zeugungsakt unterbanden.

Das war den Gläubigern aufgefallen.


2

Niemand hatte das Virus gesehen.

Beim Gang durch den Gemeindewald hatte der Ortsmediziner, der gern einmal eine Sprechstunde ausfallen ließ, wenn der Mittagsschlaf es gebot, seltsame Klopfzeichen aus dem Innern zweier als hohl geltender Bäume vernommen. Daraus hatte er geschlossen, dass endlich eingetreten war, wovon die ältesten Bücher seiner Zunft handelten: die Ankunft des Großen Unsichtbaren. Binnen kurzem, so lehrten die weit in die Zukunft blickenden Weisen, würde es die bedeutenden Glieder der Gemeinde gemeinsam mit den weniger bedeutenden dahinraffen. Kein Tröpfchen, keine Tinktur, keine Lutsch-, Kau- oder Schmelztablette, kein Dragee, mit einem Glas Wasser einzunehmen und mit ein wenig Alkohol nachzuspülen, kein dicker Schal, keine Honigmilch, keine verordnete Bettruhe, kein fiebersenkendes Mittel und keine Spritze würde etwas dagegen ausrichten können.

Schon den Studenten der Medizin, das Examen im Blick, hatte gelegentlich die Furcht überkommen, irgendwann werde er mit seinem Latein am Ende sein. Der Augenblick war gekommen. Hier stand er – und handelte auf der Stelle.

Die Rüstungen waren schnell bestellt.

Bloß die Apothekerin, die das wundertätige Öl beisteuern sollte, konnte zur Verwunderung der Gemeinde nicht liefern. Sie setzte Testreihen mit Wanzen an, experimentierte am offenen Rehkitz, schloss undurchsichtige Verträge mit auswärtigen Lieferanten, salbte ihre Hände und trug Handschuhe, die weit über die Knöchel gingen.

Irgendwann hatte sie Schwierigkeiten mit der rechten Gesichtshälfte und murmelte unter Mühen, es gebe Fortschritte.

Darüber vergingen Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Ein weiteres Frühjahr verstrich und die Gemeinde, die sich nicht mehr vor die Tür wagte, hatte die Keller leergeputzt, womit sie zwar als rattenfrei gelten konnten, aber nichts mehr zum Beißen lieferten.

Als die Gemeinde beschloss, sie habe nun lange genug gewartet und werde – ab sofort! – jeden rösten, der es wagte, einem Mitmenschen mit vollem Mund und leeren Händen unter die Augen zu treten, kreuzte die Apothekerin auf, wuseliger denn je, wedelte mit den Händen, die lustig aus den Bandagen hervorstachen, und forderte die Versammelten auf, die mitgebrachte Tinktur auf ihre Rüstungen aufzutragen: »Es ist gelungen!«


3

Ein Fremder tauchte auf, niemand wusste woher. Rasch machte er von sich reden.

Führte lange Gespräche mit dem Ortsmediziner, besichtigte die Bäume, die alles ins Rollen gebracht hatten, fertigte Notizen an, die er niemandem zeigte. Mit keiner Silbe verriet Fac ten Chek – denn er und kein anderer war es –, für welche Organisation er arbeitete.

Auf diese Weise säte er Misstrauen gegen seine Person.

Wollte er das? Noch trugen die Ortsansässigen den Kopf dort, wo er hingehört: oben. In ihnen rumorte der Argwohn, ihre kleine Gemeinschaft werde zum Spielball auswärtiger Mächte, ließe sie erst einmal zu, dass Dritte ihre Geheimnisse ausspionierten, vor allem in einem so existenzbedrohenden Fall wie diesem. Deshalb überwachten sie den Fremden auf Schritt und Tritt.

Auf dem Höhepunkt der allgemeinen Paranoia verschaffte sich der Pfarrer – wider Recht und Gesetz, aber mit dem gefühlten Plazet von oben – Zugang zum Hotelzimmer des Fremden und trat die Toilettentür ein, willens, sich in eigener Person ein Bild davon zu verschaffen, was hinter ihr rumorte. Der Klang der Spülung hatte ihn Verdacht schöpfen lassen: »Da geht etwas vor.« Das konnte man eine überschießende Reaktion nennen und er musste sich, neben anderen, die Frage gefallen lassen lassen, ob er denn auch, wie vorgeschrieben, sich vor und nach seinem beherzten Einschreiten die Hände desinfiziert habe.

Im allgemeinen überwog die Bewunderung für seine Tat.

Übrigens war er klug genug, sich für ein paar Tage zurückzuziehen und an die Tür des Pfarrhauses einen Zettel zu kleben: »Virus! Bitte sehen Sie bis auf Weiteres von Besuchen ab.«

Draußen spielten die Kinder. Sie spielten »Fang den Virus«. Ein talentierter Bursche im blauen Pullover mimte den Pfarrer. Er zog sich ein Tuch über den Kopf, watschelte mit ausgestreckten Händen im Kreis herum und schrie: »Ich kriege dich! Ich kriege dich!« Woraufhin sein Schwesterlein, berauscht von der Gaudi, ihm ein ums andere Mal einen Schlag mit der Fliegenpatsche verpasste.

Die Erwachsenen missbilligten das extremistische Treiben und schauten zu. Keiner schritt ein. So sah es aus.


4

Im Lager der Alten herrscht Apathia, die Göttin des Eingemachten. Sie steht in einem zerschrammten Schrein, blickt nieder auf ihre Fingernägel und versucht sich an die Grundtugenden des Daseins zu erinnern, deren erste lautet: Erreiche das Morgen!

Das Morgen, ein buckliges Männlein, steht auf dem Sims des leerstehenden Verwaltungscontainers, unerreichbar für Apathia, unerreichbar auch für die Menschen, die täglich hereinschauen, weil sie aus lebenslanger Gewöhnung den fatalen Schluss gezogen haben, dass die Behörde stets für sie da sein muss.

Jemand hat dem Männlein eine Schärpe umgehängt, darauf steht in dicken roten Lettern: ›Niemandslust‹.

Im Krematorium herrscht Hochbetrieb.

Die Versammlungshalle, aus der die Verstorbenen auf sanften Kufen ins Reich der lodernden Flammen hinübergleiten, dient den gehfesten Alten sowohl als Wärmstube als auch als Kino, da wegen des allgegenwärtigen Virus anonym kremiert wird und man die Trauergemeinde mit großflächigen Videos auf dem Laufenden hält, unterbrochen von allerlei Werbung für exotische Urlaubsziele und lehrreiche Reisen in die Zukunft des Universums. (Immer gern zwischen den Einäscherungsblöcken gesehen: ein Streifen mit dem Titel »Das Prickeln«, von der Lagerleitung dazu auserkoren, das allgemeine Lebensgefühl zu heben und dafür Sorge zu tragen, dass ›unsere älteren Mitmenschen‹ sich ›mitgenommen‹ fühlen, was auf die eine oder andere Weise meist gelingt. »Asche zu Asche!« singt ein virtueller Priester über einem virtuellen Grab vor virtuellen Hinterbliebenen. Er faltet seine virtuellen Hände, ein virtueller Chor begleitet ihn und ein virtueller Friedhofsarbeiter schaufelt virtuellen Sand auf eine fest in Plastikfolie eingeschweißte Leiche, während auf der Leiste darunter das kostengünstige Urnen-Sortiment der Betreiberfirma samt Preis und Bestellnummer vorbeischwebt.)


5

Ist das die Zukunft?

Die Sonne, rot sich aus der sandigen Hülle befreiend, scheint über Gerechte und Ungerechte, Virusbanner und Virusträger, sie gießt ihre Strahlen hinab ins Tal derer, die da hungern und dürsten nach einer Freiheit danach, die keiner mehr so recht begreift, seit eine strikte Anweisung es verbietet, sich Dinge vorzustellen, die »sich gegenwärtig nicht realisieren lassen«, wie die offizielle Sprachregelung lautet.

Die Kontrolle der Vorstellungen fällt in den Dienstbereich der Polizei.

Kenner der Materie beteuern, ihre tintenblau schimmernde Wehr sei an den neuralgischen Stellen mit digital geregelten Schweißabflüssen versehen. Das würde erklären, warum sich öfters, etwa bei spektakulären Festnahmen, kleine und große Pfützen unter ihr bilden.

Punktgenau informiert eine vom Regierungsschuster nach längerem Kopfkratzen und allerlei Ausflüchten entwickelte App den im Einsatz befindlichen Beamten darüber, wer den aktuell geöffneten Vorstellungskorridor verlassen hat: ein beträchtlicher Fortschritt gegenüber Zeiten, in denen die Amtsgewalt sich auf kolportierte Äußerungen berufen musste, die stets so oder so ausgelegt werden konnten, bevor der Verdächtige vor Gericht in Bausch und Bogen bestritt, sie je getätigt zu haben.

Alle drei Tage tritt der Ältestenrat zusammen, um die akute Gefahrenlage festzustellen und den gültigen Vorstellungskorridor an sie anzupassen. Seit kurzem wechselt sie stündlich. Doch im Großen und Ganzen dauert sie unverändert an. Es soll Kontroversen darüber im Ältestenrat geben, davon erfährt das einfache Gemeindeglied nichts.

Zwischen dem Ältestenrat und der Gemeinde steht – wie ein Fels in der Brandung, sagen die einen, als Prellbock die anderen – der Mediziner. Freiwillig, heißt es, hat er die schwere und verantwortungsvolle Aufgabe geschultert, vor allem Volk die Weisheit der Beschlüsse des Ältestenrats mit virenkundlichen Formeln zu untermauern, die sich darin gleichen, dass sie keiner von denen, die sie weitertragen, versteht. An diesem Job ist er enorm gewachsen. Vielen kommt es mittlerweile so vor, als ertöne seine Stimme, untermalt von leisem Donnergrollen, direkt aus den Wolken. Man nennt sie allgemein die Vernünftigen; entsprechend heißt eine Minderheit, kluge Leute darunter, unvernünftig, weil sie nur unterirdisches Gequake vernimmt. Fac ten Chek hat das schnell begriffen und seine eigenen Schlüsse daraus gezogen.

Tag für Tag schürt der Mediziner die Angst vor Mutationen, die »alles in den Schatten stellen, was die Natur auf diesem Feld bisher geleistet hat«. Oft sieht man ihn umringt von einer bibbernden Kinderschar, von in verzweifelten Posen die Hände ringenden Müttern und strammstehenden Männern, denen sich die herablaufenden Tränen in eitel Kummergold verwandeln. Wie Herolde wirken sie, bereit, jeden Kümmerling in Klump zu schlagen, der die Weisheit des Mediziners – und damit der Ältesten – in Zweifel zu ziehen wagt.

Die erstaunlichste Wandlung des Virus hat sich an seinem Geschlecht vollzogen. In einem unvorhersehbaren Akt freier Geschlechtswahl ist aus dem Mutanten die Mutante geschlüpft, furchtbarer, als ersterer jemals den Menschen erschien, doch unangreifbar in der Glorie der frisch angenommenen Identität, die jede Verfolgung verbietet.

Währenddessen werden die Stimmen lauter, die eine definitive Ausrottung fordern. »Ausrotten«, spricht die Vorsitzende des Ältestenrats und ihre Stimme rollt verdächtig dabei, »Ausrotten ist das Gebot der Stunde. Wir haben noch eine gewaltige Strecke Wegs vor uns, aber ich verspreche euch, wir werden sie, in aller gebotenen Erbitterung, bis zum Ende gehen. Daran müssen wir gemeinsam arbeiten, jede für sich und alle für eine. Im übrigen bleibt uns auch gar nichts anderes übrig, denn die Mutantinnen tauchen überall auf und allerorts gerät die Bedrohung außer Kontrolle. Null mutt!«


6

Fac ten Chek notiert in sein Tagebuch: »Alles ruhig. In den Gehirnen spukt es gewaltig, die Karawane zieht weiter. Dieser Gehirnspuk: Wie herankommen? Frage ungelöst. Werde mich kümmern.«

In einer schlaflosen Nacht schiebt Fac ten Chek neugierig ein fremdes Visier hoch und blickt auf das Gesicht einer schlafenden jungen Frau. Entlang den Wangen und um den Mund herum haben sich Pusteln gebildet, manche bereits wieder vertrocknet, einige blutend. Ihm deucht, die ganze Partie sei geschwollen und habe sich irgendwie verschoben. Mehr ist im Schein der Taschenlampe nicht zu ergründen.

Mittags, zur Essenszeit, kontrolliert er die angehobenen Visiere seiner Umgebung: Wülste, wohin er sieht. Der Schoß ist fruchtbar noch, der das gebar.

Das weggeschlossene Fleisch quillt.


7

Fac ten Chek notiert: »Der weggeschlossene Mensch ist mit sich allein. Gleichzeitig ist er vollkommen abhängig von denen, die ihn weggeschlossen haben. Und nicht bloß das: Er ist von allen abhängig, die mit ihm weggeschlossen wurden und nun den Chor der Empfindungen bilden, in denen er sich bewegt.

Der weggeschlossene Mensch ist unterwegs. Er hat ein Ziel vor sich, aber das Ziel gehört der Vergangenheit an und er weiß es. Er könnte sagen: Die Ziellosigkeit ist das Ziel, aber dieser Satz überfordert seine Lauterkeit.

Die kollektive Depression breitet sich, wie jede Infektionskrankheit, in Wellen aus. Wann entsteht aus der Verstimmung einer Einzelperson eine Gemeinschaftserkrankung? Bedenke, dass depressive Zustände in allen Entfaltungsstadien zum gesellschaftlichen Bestand gehören. Nehmen sie, angeregt durch abstürzende Lebensbedingungen, an Zahl und Intensität zu, dann interagieren sie, vermutlich in alle Richtungen, nach Mustern, die den Betroffenen ewig verschlossen bleiben.

Der weggeschlossene Mensch sagt: ›Wir können es schaffen.‹ Er meint aber: ›Hoffentlich nimmt der Irrsinn bald ein Ende.‹ Der Irrsinn beherrscht ihn und er findet kein Mittel dagegen. Er ist Teil des Irrsinns und betrachtet sich als eine Insel distanzierter Vernunft.

Deine Rede sei ja ja und nein nein. Im Stadium des vollendeten gemeinschaftlichen Irrsinns ist dieser Zustand praktisch erreicht. Die einen sagen ja ja zu jeder Maßnahme, die anderen nein nein.

Woran fehlt es dem Weggeschlossenen? Ganz recht: an Aufgeschlossenheit. Seine Gedanken gehen im Trott, seine Füße auch. Lässt der Bewegungsimpuls nach, bleiben sie stehen.

Die Reise ins Nichts lässt jedes Land, das am Horizont auftaucht, als das gelobte erscheinen.

Dieser irre Zufall, täglich der Geburt eines neuen Monotheismus beizuwohnen: dem wild wuchernden Vernichtungswunsch einem Feind gegenüber, den der Hohepriester aus den Eingeweiden sogenannter Befallener herausbuchstabiert, der Gleichrichtung der Gedanken, der Erschaffung der ›Ketzer‹, dem Beharren auf unbedingter Gefolgschaft, dem polizeilichen Zugriff auf das von Schwindsucht befallene Privatleben.

Nicht in der Aufzählung (warum nicht?): die Konditionierung des Sexus. Seine Erziehung zum Unbedingten, zum Blech.

Beschluss des Ältestenrats: Schuld an der ganzen Misere sind die heimlichen Sünder, die Verächter der Regeln, die unsicheren, stets nach Aus- und Abwegen schielenden Kantonisten. Kampf der Schwäche! Kampf den Schwächlingen! Melden ist Bürgerpflicht! Erst wenn jeder sich an die Regeln (gemeint ist: die ausgegebenen Parolen) hält, kann es besser werden. – Woher kennst du das? Hieß es nicht soviel wie: ›Macht euch keine Hoffnung. Es wird nie besser werden. Ergebt euch in euer Schicksal, das ist euer Bestes‹?«


8

Fac ten Chek schläft. Im Traum überfallen ihn dunkle Gestalten, zerren ihm die Rüstung vom Leib und peitschen ihn mit der DNA-Doppelhelix. Später würgen sie ihn, bis ihn das Bewusstsein verlässt, und lassen ihn liegen. Als er, im Traum, ins Bewusstsein zurückkehrt, steht die Große Mutter vor ihm, schwarz vor dem Rot der aufgehenden Sonne. Sie trägt keine Rüstung, sondern ein Lilienkleid, das ihre üppigen Formen wohltuend akzentuiert. Bestürzt schläft er wieder ein. Ein Traum im Traum entführt ihn ins Erlebnisbad unter Nackte, bewacht von salutierender Volkspolizei. Er blickt an sich herunter und weiß: Mein Ausreiseantrag läuft. Wohin? »Ins Land des Lächelns«, bemerkt der Volkspolizist und ein flüchtiges Lächeln erscheint auf seinem Gesicht. »Die Wüste wächst, weh dem…« »… der Wüstes träumt und das Geträumte auch noch für wahr hält.« – »Wofür sonst?«, fragt der Volkspolizist und spielt mit dem Schlagstock am Koppel, »ein wüster Traum hält besser am Leben als jedes gelebte Paradies.«


9

Fac ten Chek schreibt: »Der Ältestenrat erwägt, den Leuten das Reden zu verbieten. Im Hauptquartier des Heils soll es zu tumultartigen Szenen gekommen sein: ›Wir können doch den Leuten den Mund nicht verbieten!‹ – ›Warum nicht, verschlossen ist er doch schon!‹ – ›Ein entweichendes Virus ist zu viel!‹ – ›Und woher kommt es? Von meinen Leuten jedenfalls nicht.‹ Eingebracht haben soll die Idee die rechte Hand der Vorsitzenden, der Topf, wie er gern genannt wird (›Deckel auf, einwerfen, umrühren, Deckel zu!‹), die Vorsitzende selbst soll sich enorm ins Zeug geworfen haben, doch diesmal blieb der Vorstoß auf halbem Wege stecken: Beim Marschieren Klappe halten! Beim Essenfassen Klappe halten! Mindestredeabstand dreifünfundsiebzig! Da ist das totale Verbot praktisch schon in Sicht.«

Recht besehen, bedarf es kaum des Verbots: Den Leuten fällt ohnehin das Reden von Tag zu Tag schwerer. Wahr ist: kommt es einmal in Fluss, dann lässt es sich kaum mehr stoppen. Selbst den Redenden fällt das auf. Mancher versucht sich pantomimisch mit zwei vor das Visier gehaltenen Fingern das Wort abzuschneiden. Natürlich ist das lächerlich. Auch heißt es aufgepasst, dass nicht zufällig ein Polizist in der Nähe herumsteht. Jeder Büttel hat strikte Order, die geringste Andeutung, es existiere so etwas wie Zensur, im Keim zu ersticken. (»Wie darf sich der Laie das vorstellen?« – »Sie dürfen.«)

»Das Reden«, schreibt Fac ten Chek, »bedarf des Redenden. Der Mensch redet mit Zunge und Mund, mit Augen, Händen und Füßen, sogar mit dem Haar, jedenfalls der weibliche, er redet für Auge und Ohr und falls er dabei gut riecht oder einen fahren lässt, ergibt sich unter Umständen ein völlig anderer Sinn. Schneide all das weg und dir bleibt ein Geredsel, das nichts wert ist oder, sagen wir, wenn’s hochkommt, ein Zehntel vom vollen Sinn einer Rede und dann bleibt immer noch die Frage, welches Zehntel. Im Grunde schwatzen die Leute mit ihren Rüstungen, in denen die restlichen neunzig Prozent steckenbleiben, also mit sich selbst, denn was wäre so eine Rüstung anderes als ein Gefängnis der Worte? Der Ritter, der sein Visier heruntergelassen hat, brüllt ›Vorwärts!‹ und stürmt in die Schlacht, diese Hanseln hingegen, was bleibt ihnen anderes als das Abhören der eigenen Herztöne?

Ein Lebender unter Lebenden kritzelte: ›Wer redet, ist nicht tot.‹ Dann kam der Zeitpunkt, an dem auch er verstummte, ein Samurai der Wörter, jedenfalls bediente er sich meines Wissens an hervorgehobener Stelle der Schwertmetapher. Gemessen an solchen Maßstäben sind diese Leute tot, jedenfalls so gut wie. Die meiste Zeit merken sie nichts davon und weil sie nichts davon merken, reden sie nicht darüber. Angenommen aber, sie würden anfangen darüber zu reden, alle miteinander –«

Hier endet der Eintrag, vermutlich durch polizeilichen Zugriff, denn Fac ten Chek schreibt im Freien und das Volk beobachtet ihn mit Argusaugen.


10

Fac ten Chek schwitzt. Er hat schlecht geschlafen, der Schweiß verdankt sich der physischen Verstimmung, die einfach nicht weichen will. Warum sollte sie? Alle leiden an irgendeiner Verstimmung, warum nicht auch er? Es gibt keinen Grund, sich überlegen zu fühlen. Die Phase der Freiwilligkeit, wenn es sie je gab, ist tiefe Vergangenheit. Im Zeichen des Marsches gilt: mitgefangen, mitgehangen. An den Auswirkungen der Maßnahmen lässt sich das gut beobachten. Die Virusgeschichte … mit einem totalitären Wahn im Rücken buchstabiert manches sich leichter.

Fac ten Chek ist grundverstimmt. Er spürt: langsam, ein wachsender Schatten, holt ihn die ferne Vergangenheit ein. Die Tage, da er sich, ganz Beobachter einer Ethnie von Verrückten, seiner innere Unabhängigkeit vergewissert, sind selten geworden. Wer weiß, ob noch einer kommt? Etwas wird kommen. Dieses Gefühl ist etwas-zu-oft beschrieben worden. Es lässt sich nicht zerstreuen (wie die Angst), es widersteht der Aufklärung, es klebt, einem Preisschild gleich, im Nacken fest, es ist zwecklos, es entfernen zu wollen. Ganz klar, es deklariert dich als Sache, es informiert den kommenden Käufer, der dich erlösen wird. Entweder er steht dir bevor oder du bist, wie du bist, Abfall. Vorderhand bist du nichts als die Aussicht, dereinst Sklave zu sein, also Sklave.

Hör zu, Sklave. Hör tief in dich hinein und dann… Was dann? Was solltest du dann? Du solltest … die Wüste beschreiben, den gläsernen, unter dem Schuhwerk des menschlichen Tausendfüßlers knirschenden Sand, das Geklirr der Rüstungen und das scheppernde Krachen, wenn wieder jemand, sei es aus Schwäche oder aus Unachtsamkeit, in sich zusammenfällt, wenig mehr hinterlassend als einen Schandfleck, den eine barmherzige Hand beiseite fegt. Du solltest den Gleichschritt beschreiben, das immergleiche Geschwätz derer, die ihre Lippen noch auseinanderbringen, die ahnende Unfähigkeit zu begreifen, welches Schicksal sie einander bereiten, den absurden Hochmut der Ältesten, die auf den ausgegebenen Parolen in flimmernder Luft dahinschreiten, das Spitzel- und Denunziantenwesen, die Verwahrlosung der Kinder, die unablässigen Rochaden der zwischen Sadismus und Achtlosigkeit schwankenden Ordnungskräfte, denen jede Moral abhanden kam – man munkelt, die dienstlichen Ausfälle häuften sich, die Attestschreiber kämen kaum mit der Arbeit nach; ginge sie ihnen flott von der Hand, dann gerieten sie bald selbst unter Defätismus-Verdacht, gerade die tüchtigsten Kräfte treffe es wie der berühmte Blitz aus heiterem Himmel. Das alles und noch viel mehr, eingesogen von durstigen Augen und Ohren, solltest du beschreiben. Warum gelingt es dir nicht? Was für ein seltsamer Wettlauf zwischen dir und der Müdigkeit, die dich gegen nichts abschirmt außer gegen den Versuch, festzuhalten, was geschieht und in Vergangenheit übergeht, als ginge es direkt in die Verwesung!

Fac ten Chek schreibt: »Man muss zur Wurzel des Übels vorstoßen.«


11

Es ist nicht wahr, Fac ten Chek, dass dies alles um dich herum wirklich geschieht. Es ist nicht wahr, was du siehst. Es ist nicht wahr, was du hörst. Es ist nicht wahr, dass du in einem klappernden Blechzeug aufwachst, es ist nicht wahr, dass du diese Pestluft atmest, es ist nicht wahr, dass du mit abgeschaltetem Willen den Anordnungen von Angstheizern folgst. Es kann nicht wahr sein, dass du seit Monaten ziellos im Gleichschritt marschierst. Es darf nicht wahr sein, dass ganz normale Menschen, aufgescheucht durch die Tiraden eines Quacksalbers, Haus, Hof, Gut, Gewerbe, sich selbst, ihr Leben, den Dorfteich verlassen einer Gefahr wegen, die nichts vom Lebensrisiko unterscheidet, mit dem sie seit jeher zurechtkommen mussten. Das alles ist nicht wahr. Du fieberst, Fac ten Chek, vielleicht liegst du, geschieden von Zeit und Raum, im Koma und diese Dinge brodeln ganz allein unter deiner Schädeldecke.

Zeit und Raum. Du musst wieder Anschluss finden an Zeit und Raum. Das wird nicht leicht, denn die Wahnwelt, in der du dich bewegst, ist dicht. Das einzige, was dich verblüfft, ist die Klarheit, die dich erfüllt. Die Gedanken existieren außerhalb von Zeit und Raum, wusstest du das nicht? Sie besitzen ihre eigene Zeit und ihren eigenen Raum. Wenn diese Figuren Gedanken sind, dann sind es deine Gedanken. Wenn sie deine Gedanken sind, dann sind sie niemandes Gedanken, denn so, wie du bist, bist du niemand. Wenn du aber … aber … niemand bist, was sind dann diese Gedanken? Entladungen eines sterbenden, im Sterben still gestellten Gehirns, vermutlich also … deines Gehirns. Dieser Gedanke ist unlogisch und muss eliminiert werden. Der einzige Gedanke, der dem Irrsinn Sinn verleiht, muss eliminiert werden. Du bist doch keine Verleihanstalt für verlorengegangenen Sinn. Wage dich. Schon bist du der Irrsinn, bist die äußerste Stufe, bis zu der er sich steigert, du könntest ihn übersteigen … still, das Selbst, im Entstehen begriffen, es verneint sich, es verneint sich selbst, es sinkt zurück, zurück in den Wahn, wohin … wo…


12

Fac ten Chek schreibt.

»Du musst den Wahn verfolgen, bis er sich stellt.

Ist es wichtig zu wissen, wer ihn ausgelöst hat? (Du besitzt einen Verdacht, nicht mehr.)

Ist es wichtig zu wissen, wer sich an ihm dumm und dämlich verdient? (Das ist offensichtlich, man muss blind und taub sein, es nicht zu merken.)

Ist es wichtig zu wissen, wer aus ihm Macht zieht (eine obszöne, durch nichts gerechtfertigte Macht, die den, der sie jetzt, das Missverständnis bedauernd, niederlegte, erschlagen würde)?

Der Wahn hat dir etwas zu sagen. Er ist die Stimme, la dolce voce (sie spricht aus keinem Draußen, sie spricht die Sprache der Körper, sie zuckt aus ihnen heraus), er ist das aus der Kette gesprungene Glied, die rollende Kugel, die alle anderen im Zickzack berührt, in dir, außer dir, auf grünem Tuch, wo sonst, widrigenfalls stündest du vor dem perfekten Rätsel, nicht wissend, wonach du forschen solltest.

Nicht die Gefahr ist es, vor der diese Menschen fliehen. Bestünde Gefahr für alle (nicht nur für jene notorisch Gefährdeten, die, nimmt man ihnen eine, prompt in die nächste geraten), sie wüssten sich zu wehren und würden nach gehörigem Nachdenken das Richtige tun (oder verfehlen). Diese hier wehren sich nicht. Ein Behälter ist zersprungen, eine namenlose Substanz ist ausgelaufen und die Menge … halluziniert, sie befände sich auf der Flucht. Nenne, was ihr abhanden kam, das Normale, nenne es, wie du willst, das Maß der Distanz, die den Zusammenhalt zwischen lebendigen Körpern regelt, das Gelassenheitsregulativ, falls du das Wortungetüm zulassen möchtest, und nun müssen sie sich, wie die Kinder, die einfachsten Alltagsgriffe vorbrüllen lassen, bloß um an ihnen zu scheitern.

Die Wahrheit ist: keiner begreift, wovor sie sich schützen sollen. Sie wissen bloß – weil man es ihnen erzählt hat –, dass es winzig sein muss, unfassbar winzig, mit dem Aussehen eines von den Propaganda-Boys der heimlich an allen Fronten die Fäden spinnenden Vorsitzenden in den krassesten Farben reproduzierten Todessterns, dessen schierer Anblick sämtliche Girls der Umgebung augenblicklich in Schutzflehende verwandelt. Und nichts hält es wirklich auf. Nichts hält es auf … also vollführen sie Gesten … Schutzgesten, wie der Pfarrer sagt, der es wissen muss, von deren Nutzlosigkeit die höhnisch schweigende Mehrheit seiner Schäfchen zutiefst überzeugt ist – warum? Aus Sklavenhörigkeit gegenüber der Macht, von der sie sich Schutz erwarten. Ihr Gehorsam ist fordernd, jederzeit kann er in Raserei umschlagen.

Sie stammeln das Wort Wissenschaft und üben sich in blind sehendem Gehorsam. Sie legen Wert darauf, vernünftig zu sein, und was man zu sehen bekommt, ist eine Art Totstellreflex des animal rationale, des Menschen im Menschen, den anderen bloßlegend, der auch in ihm steckt und jetzt das Regiment übernommen hat, erdrückender als jemals der kalte Verstand, vor dem es die einfachen Gemüter graust. Es ist, als stünden sie, mürbe Schauspieler ihrer selbst, allesamt auf der Bühne und die Regieanweisung lautete: Lasst euch gehen! Wer sich rührt, wird erschossen.«

Da steht es, gerade ausgedrückt und dennoch verdreht – ›torquiert‹, als sei es unter Folter hervorgepresst und habe den Schreibgrund zerrissen. Das ist natürlich Nonsens. Trocken steht es da, das ist wahr, ein Salzkegel im ewigen Sand, doch als stünde es in einer Lache und die Feuchtigkeit kröche in ihm empor: Bald wird es zerbröckeln. Verschwunden die gestaltenden Hände, abgerissen der Informationsstrom, nichts verbindet diese allzu aufrechten Sätze mit dem treibenden Kreiseln und brodelnden Fliehen unter Fac ten Cheks Schädeldecke.


13

Sie haben den Mann gefunden – Helm ab und hinaus in die gläsernen Dünen! Ein roter Stumpf ragt aus dem Klappergestell, aber: kein Schrei. Gestern haben sie einer freundlichen alten Frau die Hände auf dem Rücken gefesselt, weil sie ihr Enkelkind sehen wollte, sie dann aus dem Zug geworfen: Vorzugsbehandlung, geschlechtergerecht, wie sich’s ziemt. Sie haben ihr – letzte Begünstigung – ein Tuch über den Kopf geschlagen, gegen die Sonne. Das gehört zum jüngst beschlossenen Maßnahmenbündel gegen den Klimawandel, der, wie zu erfahren ist, Femwesen besonders verstört.

Nachts kamen, in langer Kette, schwarz gegen den Horizont, die Lieferwagen: ein Rudel Schakale, so pirschten sie sich heran, geschmeidige helmlose Körper öffnen die Ladeluken und schleppen, als liefen sie sich das Leben aus dem Leib, den Stoff zu den offiziellen Ausgabestellen; aufgesessen und sie sind auf und davon. Noch gibt es sie also, la civilisation, dort draußen hinter dem Horizont.

Heute morgen wurde die Zahl der zugelassenen Wörter auf fünfzig begrenzt, auszugeben von Tag zu Tag. Die Sicherheitskräfte erhalten ihre Extrazuteilung in schicken rot-schwarzen Kuverts, sie sind strikt angewiesen, sie vor der trotz allem im Untergrund regsamen vox populi zu verbergen. Erstaunlich, dass alte Wörter plötzlich Konjunktur haben. Die Oberen streuen sie – anglisiert, wie nicht anders zu erwarten – in ihre Reden ein, als seien sie das Salz in der Suppe. Es soll Menschen geben, die sie, zwecks Weitergebrauch, wieder herausfiltern. Vorgesehen ist das nicht, Ironie gilt als Vergehen gegen das Große Einverstandensein, dem alle entgegenstreben.

Die Sonne war nie das Problem.

Das Problem ist: du verachtest sie. Du verachtest sie alle und sie alle sind du.


Anhang: Die Ausnahme der Ausnahme ist die Regel

Aus Fac ten Cheks Notizheft:

Regel Nummer eins: Sei vorhanden.

Regel Nummer zwei: Übergib dich nicht in der Öffentlichkeit.

Regel Nummer drei: Folge den Anweisungen auf Schritt und Tritt.

Regel Nummer vier: Bezweifle nicht die Weisheit der Beschlüsse, sondern den dahinterstehenden Verstand.

Regel Nummer fünf: Gib denen das Gefühl der Ohnmacht zurück, die es an andere delegieren. (Für Christenmenschen: Bete um ihre Zukunft.)

Regel Nummer sechs: Vertraue dem Produkt deines Vertrauens, doch nicht von hier bis da.

Regel Nummer sieben: Vergiss, was dasteht. Lies zwischen den Zeilen. Vergiss, was zwischen den Zeilen steht und komm endlich zum Haupttext.

Regel Nummer acht: Denke keinesfalls: Soviel Luft muss man uns lassen. Gerade darum geht der verleugnete Krieg.

Regel Nummer neun: Wer A sagt… (Da liegt schon der Fehler!)

Regel Nummer zehn: Sei kein Frosch! Spring nicht in jedes Gewässer! Soviel Logik muss sein.

Regel Nummer elf: Wer sein Urteil hintanstellt, der geht mit dem Hintern voran.

Regel Nummer zwölf: Die Schau kommt nach der Schau. Gehöre zu den Überlebenden.

Regel Nummer dreizehn: Fürchte das Unglück nicht, sondern die, die es bringen.