von Gerhard Labudda

Wir sind daran gewöhnt, dass uns der Künstler Herbert Josef Schero etwas Außergewöhnliches präsentiert. MANA ist außergewöhnlich. Die Faszination geht vom Besonderen aus. Ein Cézanne-Zitat greift Raum: »Kunst parallel zur Natur«. Mehr noch - Scheros Anspruch, wie aus Natur Kunst wird, findet in vielen seiner Bilder Entsprechung. Schero bezieht seine Haltung und sein Denken aus der asiatischen Kultur. China und Indien stehen wie eine Referenz an der Seite des Künstlers. Seine MANA – Orte sind Spannungsfelder zwischen Natur und Zivilisation. So begegnet der Betrachter einem geistigen Kosmos und findet eine neue, künstlerisch gestaltete Wirklichkeit und Bedeutungswelt vor.

Der Gestaltungswille Scheros zielt darauf ab, die Schönheit und Würde der Natur, die Einmaligkeit der Schöpfung in seinen Arbeiten erkennbar werden zu lassen. Er sagt: »Die Natur hat ein eigenes Gedächtnis«. Schero versucht die sinnliche Wahrnehmung und die Befindlichkeit seines eigenen Erlebens in der Natur beim Betrachter wachzurufen, die Urkraft der Natur neu zu sehen, die Empfindung für das Werden und Vergehen, die Verwandlung zu verinnerlichen. Scheros Werk entsteht in verschiedenen Motivkreisen aus einer inneren Sicht und aus der Poetik der Stille.

Im Zentrum steht die Idee. Da sind zunächst die Kreise des MANA- die Augen der Natur. Der »Fruchtkreis I« mit exotischen Früchten als Zentrum , durch das trennende Wasser unberührbar, bildet einen Blickpunkt zur Vertiefung des Gesehenen, den Moment einer inszenierten Gegenwart. Im »Fruchtkreis II« wirken die Früchte erhaben, herausgehoben aus ihrer einsamen Herkunft. Sie haben einen neuen Ort gefunden, ihren MANA – Ort. Jede Frucht ist wie ein Fingerabdruck der Natur. Schero schafft es, die ästhetische Komponente mit der philosophischen Sicht in Einklang zu bringen. Die Fruchtkörper erfahren gleichsam ein zweites Dasein, werden zu einem erhöhten Formenkreis der Natur. Mit der Betrachtung geht ein Staunen einher. Im »Mandala der Fruchtbarkeit« liegt eine visuelle Spannung: Wann wird das Meer den Kreis überfluten? Was wird bleiben? Kehrt die Natur zu ihrem Urzustand zurück, den der Künstler uns vor Augen führt? Oder: ist der »Buchkreis« eine Metapher für eine bessere Welt, für Zukunft und Bildung?

Schero stößt mit seinen Bildern und Installationen Fragen an. Hier wird er zum Kunstphilosophen. Er zeigt uns seine Sicht auf die Natur mit Hilfe der »inszenierten Fotografie«. Zum einen durch die Natur in sich, die Naturkulisse - dann im gestalterischen Prozess der künstlerischen Veränderung von Natur und schließlich durch die fotografische Reproduktion.

Auf eine beeindruckende Weise entführt uns Herbert Schero mit MANA in eine Art Traumlandschaft. Da ist der jeweils feste Ort für innere Bezüge zur Natur, zur Magie und als Inspiration für seine Kunst.

Hier zeigt sich ein Aufleben der Kräfte, die Natur als etwas Einmaliges zu sehen und seine bedingungslose Verehrung und Dankbarkeit, in der Natur leben und arbeiten zu dürfen.

Scheros großes Thema in diesem Kontext ist der Baum. Oktavio Paz’ Lyrik: »In mir der Baum« bedeutet für Schero Schöpfung im unmittelbarsten Sinne. Dagegen wirkt das fortwährende Scheitern der Menschheit und die Überlebensnotwendigkeit in Gestalt der Bäume. Schero möchte uns mit der Metamorphose als Schöpfungsprinzip auf die universelle Verantwortung des Menschen für die Natur aufmerksam machen. Die Schönheit der Natur, der Formenkreis der Schöpfung haben Herbert Schero als Künstler in seinen Werken zum Bewahrer der Natur inspiriert. Zum Beispiel: »Dein goldenes Haar«, ein Baum voller Atmosphäre und Strahlkraft – das Bild benötigt keine Analyse, keine Erläuterung. Der Stamm, das Geflecht der Blätter sind Kunstwerke, allein von der Natur geschaffen.

»Puja II – Monument für den gestürzten Baum« und »Axis mundi« hingegen erhalten ihre Wirkung erst durch die gestaltende Hand des Künstlers. »Baum wird Stuhl« sowie die » Grasharfen« – Bilder regen zum Nachdenken an. »Puja I«, die Baumwurzeln haben einen Schutzanzug erhalten. Schero hat mit dem liegenden, verletzten Baum eine monumentale Plastik geschaffen. Sie liegt wie ein Aufschrei in der Natur. Mit der »Stadt der goldenen Wege« bis zu den großartigen Steinvergoldungen »Hommage To The Square« sucht Herbert Schero seine skulpturalen Erfahrungen auszuweiten. Schließlich sehen wir die ästhetischen Blattwerke als Kunstwerke.

Die grafischen Bildentwürfe auf Papier, wie »Früchte des Baumes« oder »Before Nigredo« sind neuartige, ästhetische Hinweise, wie aus Natur Kunst wird.

 Herbert Schero: Manakunst
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