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Die Freundschaft mit Martin Kippenberger, dem personifizierten Jahrhundert der Entdeckungen regt Michel an, seine künstlerische Wegbeschreibung fortzusetzen. Die »Aufzeichnungen eines bewaffneten Schankprinzen« entstehen und werden von Kippenberger für Bruno Brunett Fine Arts 1994 in Berlin ausgestellt. Texte werden geschrieben und veröffentlicht, Beobachtungen modifiziert und in Form gebracht. »Gute Figur machen«, dieser Skulpturenwald bei Hohenthal und Bergen beendete das Jahrtausend. Weder Glaubensbekenntnis noch Unterhaltungsprogramm, stattdessen eine bewusste Entscheidung, Kultur und Luxus als Aperçu des Widerstandes zu erkennen. Im raffinierten Bonmot des Reisenden, wird die Waffe gegen das Gutgemeinte in Reichweite gehalten. Der Dandy bleibt ein Ästhet des Augenscheins in seiner selbst gewählten Subversion. Ein Seelenfutter der Intimität am Höhepunkt des eigenen sexuellen Unbefriedigtseins, wird er zur Verkörperung des aristokratischen Individualisten, des ergebnislosen Ankommens – Metropole. Ich liebe diesen widersprüchlichen Utopieentwurf und seine Kläglichkeit inmitten der Zeit, wissend, dass all diese Momente darin verloren sind, wie Tränen im Regen. Und an dieser Stelle sollte ich ehrlicherweise hinzufügen: Ja, Michel raucht, trinkt Alkohol und isst Fleisch und das mit Vergnügen. Während das überwundene 20. Jahrhundert den Gesundheitswahn feiert, diese fade, schlecht alternde Gleichförmigkeit, bleibt Michel ein Maximalist.

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