In Bruegels Niederländischen Sprichwörtern verwirrt zunächst die äußere Fülle des Geschehens. Der Betrachter ist mit seinen Blicken immer wieder dazu gezwungen, von der einen Szene zur anderen zu wandern. Und auch später wird sich diese Verwirrung nicht beheben, wenn der Betrachter endlich meint, sich in diesem Bild zurecht zu finden. Wer in den Niederländischen Sprichwörtern einen selbstverständlichen Halt und Mittelpunkt sucht, der sucht vergeblich. Dem Gemälde liegt zwar eine klare Gliederung zugrunde, dennoch gibt es nicht die eine Weise, sich dem kaleidoskopischen Geschehen ›richtig‹ zu nähern.

Luigi Archetti und Michael Heisch haben 126 Miniaturstücke von unterschiedlicher Länge komponiert und nahmen dabei  Bruegels verschachtelte Bildwelt als Ausgangspunkt. Gespielt auf klassischen Instrumenten wie Mandoline, E-Gitarre und Kontrabass/E-Bass; aber auch elektronische Klänge haben die beiden Musiker verwendet. Die Musik versteht sich nicht als Illustration der Bruegel-Miniaturen, sondern stellt eine Art Destillat des Visuellen dar.

Die Miniaturstücke sind so komponiert, dass die CD im Shuttle-Verfahren (Zufallsprogrammierung) abgespielt werden kann. Das Resultat des zufälligen Nacheinanders lässt einen eigen-willigen Kosmos verschiedener Klänge entstehen und ähnelt damit einem Kaleidoskop. Dieses ›Hörbild‹ setzt sich immer wieder neu zusammen, womit diese Idee dem Bruegelschen Bildkonzept vermutlich sehr nahe kommt.

Luigi Archetti: Mandoline, E-Gitarre, Electronics.
Michael Heisch: Kontrabass, E-Bass, Electronics.
Anzahl Stücke: 126, wobei aus technischen Gründen eine Gruppierung vorgenommen werden musste (eine CD-Abspielanlage liest gerade nur 99 Stücke, geht somit nicht über 100 Stücke hinaus). Dauer: 68 Min., Entstehungszeit: 2005/06.