Ulrich Schödlbauer

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Schuld

Gut machen sich Gedichte
über die Schuld. Nicht dass
es Schuldige gibt, taugt zum Exempel. Für sie
gibt es Gerichte. Doch was im Raum steht, das Schuldsein
aller, das mich, den Prediger, einschließt,
das macht
unangreifbar.

Ich
schließe mich ein.
Ich
schließe dich ein.
Ich
schließe uns sein.
Ich
schließe euch ein.
Ich
schließe sie ein.

Soviel Einschluss
will erst verdaut sein.

Der Schuldige blickt auf den Nichtschuldigen und spricht sein:
Schuldig!
Der Nichtschuldige blickt auf den Schuldigen und spricht sein:
Schuldig!

Warum sollte, die doch in der Welt ist, die Schuld
den ausnehmen, der keine auf sich lud?
Geh dem nach. Forsche, und du wirst finden:
was immer du fandest, es war
vor dir da. So wie jemand sagt:
›Da war doch etwas, dem muss ich nachgehen.‹
Und du gehst ihm nach. Diese Schuld ist größer als du.
Deine Gedanken reichen nicht hin, sie zu erfassen.
Deine Hände reichen nicht hin, diesen Abgrund an Mist
auszuräumen. Allein die Sprache… Die Sprache aller,
bequem, leichtgängig, orthodox:
in ihr ist
alles denkbar und alles
wirkt wie bedacht.

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