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Siegmar Faust: Aorta

Aufsätze, Pamphlete, Theater

Staat gilt heute allgemein, jedenfalls in Deutschland, als »ein Zusammenschluss von Menschen zum Zwecke des physischen Überlebens, des materiell besseren Lebens und schließlich des sittlich guten Lebens, womit die unterschiedlichen Politik- und Ordnungsvorstellungen von Platon und Aristoteles bis Hobbes und Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) unter einen Begriff gefasst werden können« (Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10, S. 2). Diese Definition dürfte indes schon etwas veraltet sein. Ist der Mensch schon an und für sich ein Rätsel, so ist der Staat noch nicht einmal etwas Gegenständliches, sondern fasst sich lediglich unter einem Komplex von Normen, Gesetzen, menschlichen wie unmenschlichen Entscheidungen, ebensolchen Handlungen und unter jenen sachlichen wie unsachlichen, soll heißen: persönlichen Mitteln zusammen, die dem Zweck des Staates dienen. Dasjenige, was sich als Wissenschaft vom Staate ausgibt, hat so viele Definitionen von Staat in allen möglichen Zeiten und unter den verschiedensten Denkmoden hervorgebracht, dass man ihn auch heute noch je nach Lust und Bedarf mit Thomas Hobbes (1588-1679) als ›Mechanismus‹, mit Max Weber (1864-1920) als ›Betrieb‹, mit Herbert Krüger als einen Verein »zur gegenseitigen Hilfeleistung« (Allgemeine Staatslehre, Stuttgart 1964, S. 194) bezeichnen kann oder mit Hegel u. a. sogar personalisiert.

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