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Bagdad war eigentlich ein offenes Gefängnis. Die Gefangenen waren die Bürger, denn sie wurden auf Schritt und Tritt beobachtet und gegängelt. In den Wohnquartieren gab es offizielle und inoffizielle Informanten. In den Schulen und Universitäten wurden die Schüler, Studenten, Lehrer und Professoren bespitzelt. In den Behörden und anderen staatlichen Einrichtungen galt die absolute Loyalität. Die Angestellten waren Parteimitglieder oder wurden nach parteipolitischen Grundsätzen eingestellt.

Diese Realitäten führten zu paranoiden Verhaltensformen, Interpretationen und Verschwörungstheorien. Wenn ein weißer Mercedes auf der Straße auftauchte, war für jeden klar, dass »Muchabarat«, der Geheimdienst, unterwegs war. Das Regime erreichte, wie in der Sowjetunion, DDR, Kuba, China, Nord-Korea, Saudi-Arabien und vielen anderen Ländern, dass jeder jeden verdächtigte.

Je näher Bagdad rückte, umso öfter wurden die Fahrzeuge zur Kontrolle angehalten. Streng aussehende und schwer bewaffnete Sondereinheiten stiegen ein und nahmen sich willkürlich Personen vor. Andere begutachteten die Koffer mit der gleichen Arroganz und Rücksichtslosigkeit. Immer wieder wiederholten sich diese Kontrollen. Es schien, die Kontrolleure kontrollierten sich gegenseitig. Niemand vertraute dem Anderen.

Kurz vor der Stadt sammelten sich hunderte von Fahrzeugen. Aus einer scheinbar vierspurigen wurde eine sechs-, siebenspurige Straße. Unzählige Fahrzeuge kamen aus der Stadt und verstreuten sich in die Breite. Andere verließen die Breite, um im Schritttempo in die Stadt hinein zu rollen. Auch von den Seitenstraßen floss Verkehr. Einige Fahrzeuge versuchten, fast rechtwinklig die Straße zu überqueren oder in die entgegensetzte Richtung zu fahren. Wiederholt entstanden verworrene Verkehrsknoten, die schwer zu entflechten waren.

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