Forum Stadt

»Die von früher schaffen uns doch nicht. Außerdem ist ja die Welt noch da, also können Sie vom Untergang auch nicht viel mehr verstehen als wir.«
Ernest Hemingway
 

Ich bewege mich gemessenen Schrittes die Fasanenstrasse entlang, passiere die Villa Griesebach und trete nach dem Literaturhaus aus dem gedämpften Gelb der diskreten Straßenlaternen auf den Kurfürstendamm. Das Kino auf der anderen Straßenseite ist einem Tommy Hilfiger Flagshipstore gewichen und leuchtet grell den Fußgängerübergang aus, als ich die dreispurige Fahrbahn erreiche. Der Verkehrsstrom nötigt mir Aufmerksamkeit ab, ich verlangsame meinen Bewegungsablauf, überquere die Breite und tauche in die Berliner Prachtmeile ein. Am Kempinski vorbeigehend, der Portier in seiner Livree grüßt mit einer Zuckung der rechten Augenbraue, erreiche ich die Kunsthandlung Gunti, vis à vis der jüdischen Gemeinde in ihrem 60er Jahre Zweckbau. Ich betrachte die afrikanische Maske in ihrem roten Ambiente im kleinen Schaufenster – eine stille Ehrwürdigkeit in Holz auf ihrer cognacfarbenen Stele ruhend. Bei Springer gibt es Farbe auf Leinwand, der Avantgarde des Aufbruchs längst entleibt. Im Weitergehen erscheint das Delphi-Lichtspieltheater formatfüllend im Ausschnitt, während ich in die Kantstrasse abbiege. Der jäh einsetzende Luftzug zwingt mich, den Mantelkragen hochzustellen, ich beschleunige meinen Schritt. Das Rotgrün der Paris Bar gegenüber spiegelt sich im Pflaster. Eine seltsame Gereiztheit nimmt Besitz von mir: kein Ort zum Wohlfühlen, denke ich die Tür öffnend.

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Haralampi G. Oroschakoff: Paris Bar oder: wenn sie nicht elegant sind, dann bemühen sie sich um eine eigene Note

Aufnahmen © Omar Akbar

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Musac2

Tag 1 /
Freitag der 28.1.2011

Endlich komme ich mit dem Bummelzug in León an. Auf dem Weg von Madrid nach León empfängt mich Spaniens Nacht im glitzernden Schnee.

Die Kameraausrüstung und der Rucksack liegen schwer auf meinen Schultern.

Ich nehme ein Taxi zum Restaurant »La Poveda«, in dem Stephan Köhler und Georges Adéagbo mich bereits erwarten.

Angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit checke ich nicht erst im Hotel ein, auch wenn mein allzu sichtbares Equipment mir wie eine Bewaffnung erscheint.

Am Restaurant angekommen, schlängle ich mich erschöpft und vollbepackt durch eine Ansammlung gutgelaunter, feiernder Spanier.

Mein Blick fällt zuerst auf einen Tisch mit sechs Herren, die Schnaps trinken, in ihr Kartenspiel vertieft.

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