Forum Stadt

Al-Karhk 1982
Al-Karhk 1982

März 2018*

Hinreise

Bagdad sollte zum Paris des »Mittleren Ostens« werden. Dies war für sich gesehen kein ungewöhnliches Vorhaben eines Diktators. Ungewöhnlich war, dass Einiges zugleich geschehen sollte: die totale Umwandlung der Stadt, der militärische Sieg über den Iran und die Durchführung der Konferenz der »Non-Aligned Countries« 1986. Eine Organisation, die 1961 ins Leben gerufen worden ist, um in der Zeit des »Kalten Krieges" die politische und ökonomische Ungebundenheit der Gebundenen zu demonstrieren. Eine postkoloniale Organisation, deren Mitgliedsländer sich bis heute durch menschenunwürdige und undemokratische Bedingungen überbieten.

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Deutsch von Adelheid Zöfel

Der Titel meiner Rede heute Abend lautet »Afrikanische Literatur gibt es nicht« – aber Sie wissen ja vielleicht, ich lebe in Rom, und deshalb beginne ich, wie wir das so gern tun, mit einer Beichte. Beichte Nummer eins: Ich bin Akademikerin, wovon ich mich, ein Jahrzehnt nach meiner Zeit in Oxford, zwar langsam erhole, aber ich gebe trotzdem immer noch gern provozierende Statements ab, egal ob ich sie konsequent vertreten kann oder nicht. Beichte Nummer zwei: Garantiert bereue ich es, dass ich diese Rede gehalten habe, wenn sich dann die Literaturwissenschaftler darauf stürzen, aber im Moment bin ich noch jung und tollkühn genug, um das Risiko einer Niederlage genüsslich auszukosten.

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»Wenn die Sekunden der fremden Erfahrung verstrichen sind, muß die Maske energisch wieder abgezogen werden. Dahinter erscheint ein lachendes Gesicht, und lachen muß, wer immer den Vorgang sieht. Es ist das Lachen einer Freiheit, die sich selber wieder etwas besser kennt.«
Peter von Matt: [Essay über Elias Canetti]

 

Bei meinen früheren Aufenthalten in Kairo habe ich die Altstadt vorzugsweise spätabends und nachts durchstreift. Dies geschah vor allem deshalb, weil mein Freund und Führer, verschwiegener Kenner aller Gassen und Winkel, tagsüber beschäftigt war, aber ein leidenschaftlicher Nachtgänger ist. Mir war es recht, ich bin’s auch, und wie ich später erkennen sollte, hatte es sein Gutes: Es vermied einen möglichen Schock, denn die Nacht mildert die Züge des Verfalls, des Ruinösen, schützt Armut und Elend vor dem zudringlichen Blick.

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