Was dabei herauskommt, ist vielfältig und unendlich spannend. Lediglich sehr willkürlich ausgewählte Konditionen dieser Wechselwirkung könnten beispielsweise so aussehen: Stadt als bevorzugter Ort literarischen Schaffens, Stadt als Inspirationsquelle, Stadt als Handlungsort und Szenerie, Staffage, Arrangement, Bühne im literarischen Werk; Stadt als Gegenstand, Motiv, Thema und Problem der Literatur; Stadt als literarischer Topos; Stadt als Text; Stadttext.

Ein literarisches Narrativ kann sich aufgrund oder entlang der städtischen Topographie entfalten, im mimetischen wie symbolischen Sinne; die Narrativität bekommt ihre Struktur über die Materie der städtischen Substanz, über die topographische Mimesis, über die Nacherzählung des Flanierens.

Es gibt aber auch die Strukturen der Stimmungen – über Assoziationen und Allusionen, Fantasmata und Fata Morganas, die durch die Stadtbilder und Raumgestaltung evoziert werden.

Es gibt literarische Unternehmungen, die die Totalität einer Stadt zu umfassen, zusammenzufassen suchen. Andere sind bemüht, das Besondere des Phänomens Stadt zu ergründen. Wieder dritte bemühen sich, das Wesen, die Einmaligkeit einer Stadt unverkennbar festzuhalten.

Für eine ist es die materielle Vorlage zu gewissenhafter mimetischer Darstellung, einer Übersetzung von Stadtstrukturen in literarische Strukturen. Andere sind auf die flüchtigen und fast unaussprechlichen Stimmungen aus, die bei ihnen die Stadt evoziert. Es gibt solche, die von der Vorstellung fasziniert sind, eine Stadt in ihrer Dynamik zu zeichnen, sei es historisch oder gegenwärtig, als etwas Flüchtiges, als Fluidum.

Jurko Prohasko
 

Literaturwissenschaftler, Autor
und Übersetzer

  *1970 in Iwano-Frankiwsk,
  lebt in Lemberg.

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